Trotz brauner Vergangenheit: Chefarzt aus Haldensleben tritt für die AfD in Sachsen-Anhalt an 

Der Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Ameos-Klinikum in Haldensleben (Landkreis Börde), Markus Motschmann, kandidiert für die AfD für den Landtag. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher des AfD-Landesverbandes. Motschmann sei derzeit parteilos, er habe aber einen Aufnahmeantrag bei der AfD gestellt. Dieser werde vom Landesvorstand unterstützt.

Von Michael Bock
Der Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Ameos-Klinikum in Haldensleben (Landkreis Börde), Markus Motschmann, kandidiert für die AfD für den Landtag. Foto: Imago

Magdeburg. Die SPD kritisierte das scharf. Sachsen-Anhalts Juso-Landeschef Rico Rauch sagte, Motschmann sei schon früher mit seiner stark rechten Gesinnung aufgefallen. Er sei einst Mitglied bei den Republikanern gewesen und habe unter anderem mit Pestmaske und Aluhut bei Anti-Corona-Demos geredet. „Es ist für uns Jusos schlicht inakzeptabel, dass eine Person mit dieser Gesinnung die Bürger im Landtag Sachsen-Anhalts repräsentieren soll“, sagte er. „Auch ist es uns unbegreiflich, wie Ameos weiterhin an diesem Chefarzt festhalten kann.“

Die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Katharina Zacharias, die auch in Haldensleben für den Landtag kandidiert, sagte: „Herr Motschmann ist die Definition vom Wolf im Schafspelz. Als Arzt genießt er einen Vertrauensbonus bei den Menschen, den er ausnutzt, um Hass, Hetze und Verschwörungsmythen zu verbreiten. Das ist nicht nur unanständig, sondern brandgefährlich.”

Motschmann war am Dienstag zunächst nicht zu erreichen.

Er hat der Volksstimme aber bereits Anfang vorigen Jahres bestätigt, dass er von 1987 bis Anfang der 90er Jahre Mitglied der Republikaner war. Damals war er auf dem Ameos-Gelände in Haldensleben mit Gesundheitsheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) heftig aneinandergeraten.

In einer kurz danach folgenden Landtagsdebatte hatte SPD-Fraktionschefin Katja Pähle dem Chefarzt drei Jahrzehnte alte Äußerungen vorgehalten. Er habe propagiert, dass man AIDS-Infizierte auf einer ,nur beim Geschlechtsverkehr sichtbaren Stelle‘ tätowieren solle. Homosexuelle habe er als ,abartig veranlagte Typen mit perversen Neigungen‘ bezeichnet.

Zudem habe er die Gräueltaten des NS-Regimes mit Abtreibungen heute verglichen. Die SPD bezieht sich dabei auf einen Leserbrief für das Ärzteblatt im Jahr 2003. Darin verteidigt Motschmann die deutsche Ärzteschaft in der Zeit des Dritten Reiches: „Die moralische Verurteilung der Generation unserer ärztlichen Väter und Großväter mutet an wie das überhebliche Bekenntnis der neutestamentlichen Pharisäer.“

Motschmann sagte seinerzeit auf Volksstimme-Anfrage: „Ich kann einen Menschen doch nicht danach beurteilen, was er vor 20, 30 Jahren gesagt hat. Wenn ich diesen Maßstab an Politiker anlegen würde, wäre eine ganze Menge aufzuarbeiten.“ Zu den ihm zugeschriebenen Zitaten sagte er: „Das ist so lange her, dass ich es selbst nicht mehr weiß.“

Bei Ameos war am Dienstag zunächst niemand zu erreichen.