Corona-Impfungen

Trümper legt im Impfstreit nach: Oberbürgermeister lehnt Impftermine für Auswärtige weiter ab

Im Streit um Impftermine nach Wohnortprinzip lehnt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) die Terminvergabe auch an Sachsen-Anhalter, die außerhalb der Stadt leben, ab. Der Fall einer krebskranken Frau aus Irxleben hatte zuvor für Aufsehen gesorgt.

Von Alexander Walter

Magdeburg. Der Streit um die Frage, ob Termine für Corona-Impfungen auch an Auswärtige vergeben werden müssen, erreicht eine neue Ebene: „Es macht keinen Sinn, wenn Menschen aus dem Jerichower Land oder Stendal in Magdeburg geimpft werden und umgekehrt“ , sagte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper gestern der Volksstimme. Einen Impftourismus auch innerhalb der Grenzen Sachsen-Anhalts lehne er ab, ergänzte der SPD-Politiker.

Bisher kreiste der Streit vor allem darum, ob die fürs Impfen zuständigen Großstädte und Kreise verpflichtet sind, Bürger auch aus anderen Bundesländern zu immunisieren.

Vergangene Woche hatte Trümper bereits das für die Landeshauptstadt abgelehnt. Anlass: Nach Ostern waren laut Stadt mehr als 40 Prozent von 4800 freigegebenen Impfterminen von Auswärtigen vor allem aus anderen Bundesländern gebucht worden. Mit seiner Haltung zog Trümper Widerspruch von Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) auf sich.

Impfdosen nach Einwohnerzahl

Unter Verweis auf die Impfverordnung forderte sie Trümper auf, die Terminvergabe auch für Nicht-Sachsen-Anhalter zu öffnen. Trümper blieb dennoch bei seiner Haltung. Als Oberbürgermeister trage er Verantwortung für den Infektionsschutz seiner Bevölkerung – mehr als 70.000 Menschen in Magdeburg seien älter als 60 und hätten somit ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Verläufe. Das Land Niedersachsen hatte der Volksstimme unter Verweis auf die Impfstoffknappheit danach bestätigt, dass Sachsen-Anhalter sich dort nicht impfen lassen können.

Die Ablehnung der Impfterminvergabe – auch an Sachsen-Anhalter, die nicht in Magdeburg wohnen – begründete Trümper gestern so: „Impfdosen werden streng nach Einwohnerzahl auf die Kreise verteilt.“ Der Impffortschritt aber sei regional verschieden.

So habe Magdeburg erst am Sonntag 1600 Impftermine in der Priorität 3 für über 60-Jährige freigeben können. „Wenn wir die nun aber allen Sachsen-Anhaltern anbieten, drängen natürlich viele nach Magdeburg.“

Für Aufsehen sorgt unterdessen der Fall der krebskranken Sabine Radke aus Irxleben im Bördekreis, nur wenige Kilometer von Magdeburg entfernt. Radke, nach eigenen Angaben durch Chemotherapien stark immungeschwächt, hatte nach vergeblichen Versuchen, einen Impftermin an ihrem Wohnsitz zu buchen, freie Termine für sich und ihren Partner in Magdeburg bekommen. Im Impfzentrum wurde sie dann aber abgewiesen. Begründung: Kein Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Magdeburg – keine Impfung.

Trümper sagte gestern dazu: Gegen Ausnahmen in Härtefällen wie diesem spreche nichts. Er frage sich aber, wie es zusammen passt, dass jemand mit einer Krebserkrankung mit der Priorität 2 an ein Impfzentrum verwiesen werde. „An der Stelle des Hausarztes hätte ich dafür gesorgt, dass die Frau umgehend vor Ort eine Impfung bekommt.“

Zu wenig Impfstoff im Bördekreis

Uwe Baumgart, Sprecher des Bördekreises, sagte, auch er könne nicht nachvollziehen, warum die Frau keinen Termin im eigenen Kreis bekommen habe oder direkt vom Hausarzt geimpft wurde. Richtig sei aber, dass der Bördekreis aktuell nur reduzierte Impfstofflieferungen erhalte.

Mit Blick auf die Impfterminvergabe für auswärtige Sachsen-Anhalter verwies Lutz Trümper gestern auch auf ähnliche Verfahrensweisen in anderen Kreisen. So bekomme ein Magdeburger bei der Online-Anmeldung im Jerichower Land ebenfalls keinen Termin. Tatsächlich erhielt die Volksstimme gestern bei einem Testdurchlauf nach Angabe einer Magdeburger Postleitzahl keinen Zugriff auf Termine im Jerichower Land. Auf Nachfrage erklärte SPD-Landrat Steffen Burchhardt dennoch: Sein Landkreis schließe Auswärtige nicht aus.

Burchhardt ergänzte, trotzdem könne er die Haltung Trümpers nachvollziehen. Denn: Die Impfstoffverteilung erfolge nach Köpfen. „Wenn dann ein Kreis seine Türen aufmacht, ein anderer aber nicht , kann das zu Unwuchten führen.“

Im Streit um die Freigabe von Impfterminen auch an Nicht-Sachsen-Anhalter hat Petra Grimm-Benne das Thema gestern unterdessen auf die Tagesordnung einer Videokonferenz der Landesgesundheitsminister gehoben. Ergebnis: Die Minister vereinbarten zunächst, sich gegenseitig zu informieren, wie ihre Länder mit Terminanfragen aus anderen Ländern umgehen. Schon jetzt stehe aber fest, dass etwa auch in Hamburg ein Drittel der Geimpften keine Hamburger seien, so Grimm-Benne. „Die Impfverordnung des Bundes kennt kein Regionalprinzip“, bekräftigte sie. Das habe auch Bundesminister Jens Spahn (CDU) betont. Die Irxleberin Sabine Radke erhielt gestern laut Landeshauptstadt übrigens doch noch eine Impfung – ebenso ihr Partner.