Landtagswahl

Wie Haseloff die AfD abgehängt hat

Sachsen-Anhalts CDU hat bei der Landtagswahl einen fast schon sensationellen Kantersieg eingefahren. Die AfD wurde deutlich in die Schranken gewiesen. Die FDP zog nach zehn Jahren wieder in den Landtag ein. Für die SPD und die Linke endete die Wahl mit einem Fiasko.

Von Michael Bock
Wahlsieger Reiner Haseloff (CDU) mit einem Schutzengel, den ihm seine Ehefrau Gabriele geschenkt hatte.
Wahlsieger Reiner Haseloff (CDU) mit einem Schutzengel, den ihm seine Ehefrau Gabriele geschenkt hatte. Foto: dpa

Magdeburg - Die CDU hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit unerwarteter Deutlichkeit gewonnen. In einem schwierigen politischen Umfeld führte Ministerpräsident Reiner Haseloff seine CDU zu einem überaus klaren Sieg. Derart starke Zuwächse bei einer Landtagswahl hatte die CDU zuletzt 2017 in Nordrhein-Westfalen verzeichnet.

Der 67-jährige Haseloff war zum dritten Mal als Spitzenkandidat angetreten. Er zeigte sich nach der Landtagswahl „überglücklich“. Zugleich machte er klar, was er jetzt von der Union im Bund erwartet: Geschlossenheit nach dem heftigen Streit um die Kanzlerkandidatur.

AfD bleibt zweitstärkste Kraft

Die AfD, die in Sachsen-Anhalt in den zurückliegenden Jahren immer weiter nach rechts gedriftet ist und im Visier des Verfassungsschutzes steht, behauptete sich mit deutlichem Vorsprung vor anderen Parteien als zweitstärkste Kraft. Sie hatte im Wahlkampf immer wieder die Corona-Politik scharf kritisiert. Ansonsten blieb sie auffällig unauffällig.

SPD mit historischer Pleite

Die SPD, die im Land seit 2006 in Regierungsverantwortung ist und in der zurückliegenden Wahlperiode zwei Minister stellte, glitt in die Einstelligkeit ab und rutschte somit auf einen historischen Tiefstand. In den 1990er Jahren hatten die Sozialdemokraten noch Ergebnisse mit deutlich über 30 Prozent eingefahren.

Grüne kaum verbessert

Die Grünen hatten im Wahlkampf vor allem auf das Thema Klimaschutz gesetzt. Trotz starken Rückenwinds aus Berlin konnten sie sich gegenüber der Wahl 2016 kaum verbessern. In Umfragen vor der Wahl waren sie deutlich höher verortet worden.

Linke große Verliererin

Größter Verlierer ist die Linke, die lange als Kümmerer-Partei und Sachwalter ostdeutscher Interessen galt. Sie erreichte ihr schlechtestes Ergebnis seit der deutschen Einheit. Im Wahlkampf hatte die Partei auf Themen wie die Angleichung der Ost-West-Renten und Löhne gesetzt.

FDP wieder im Parlament

Die FDP kehrt nach zehnjähriger Abstinenz wieder in den Landtag von Sachsen-Anhalt zurück. Sie profitierte vom bundespolitischen Rückenwind. Vor fünf Jahren hatten die Liberalen den Einzug ins Parlament noch hauchdünn verfehlt.

Die schwarz-rot-grüne Kenia-Koalition unter Führung von Haseloff könnte nun weiterregieren. Die Stärke der CDU und die Rückkehr der FDP ins Parlament eröffnen aber auch neue Koalitionsoptionen. So wären zum Beispiel auch eine sogenannte Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP möglich oder ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP.

Koalition ohne die Grünen?

Die FDP erklärte bereits, Verantwortung in einem Bündnis übernehmen zu wollen. Haseloff ließ noch keine Präferenzen erkennen. Zugleich signalisierte der Wittenberger, dass er sich bei den anstehenden Sondierungsgesprächen von der Bundespolitik nicht reinreden lassen wolle.

Vor der Wahl hatte Haseloff Sympathien für eine Fortsetzung der seit 2016 regierenden Kenia-Koalition erkennen lassen. Doch in der Landes-CDU gibt es starke Bestrebungen, die Grünen aus der nächsten Landesregierung herauszuhalten.

Die Landtagswahl galt als letzter großer Stimmungstest vor der Bundestagswahl am 26. September.