Merseburg/Leuna l Nach der Stadt Halle wird nun auch der Saalekreis von einem parteilosen Politiker geführt. Der 58-jährige Hartmut Handschak gewann die Landratswahl am Sonntag bereits im ersten Wahlgang – so einen schnellen Erfolg hatten ihm viele nicht zugetraut. Die im Saalekreis bekannte Linke-Kandidatin Kerstin Eisenreich landete lediglich bei 17 Prozent, der weitgehend unbekannte AfD-Bewerber Florian Schröder bei über 16 Prozent. Ingesamt waren fünf Kandidaten ins Rennen gegangen.

Handschak hatte die Verwaltung des wirtschaftlich stärksten Kreises in Sachsen-Anhalt bereits in den vergangenen zwei Jahren geleitet, nachdem der langjährige Landrat Frank Bannert (CDU) schwer erkrank und im Sommer verstorben war. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bannert ist Handschak kein typischer Kommunalpolitiker. Der gebürtige Lausitzer hielt sich bis zum zurückliegenden Wahlkampf gänzlich raus der Parteipolitik – er sah sich auch während seiner Zeit als Dezernent vor allem als Verwaltungsfachmann.

Man musste ihn deswegen auch ein bisschen bitten, für das höchste Amt im Saalekreis zu kandidieren. Die Unterstützung gleich dreier Parteien – CDU, SPD und FDP – dürfte Handschak am Ende die Entscheidung leicht gemacht haben.

Hohe Erwartungen

Der Saalekreis gilt als boomender Wirtschaftsmotor Sachsen-Anhalts, vor allem die dort ansässige Chemieindustrie ist sehr wichtig für das Land. Mehr als 10.000 Menschen arbeiten allein am Standort in Leuna. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Unternehmen an den neuen Landrat. „Nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit mit Herrn Handschak in den vergangenen zwei Jahren bin ich überzeugt, dass wir mit ihm als neu gewähltem Landrat einen verlässlichen Partner haben, der bei der Führung der Verwaltung unseren hohen Anspruch an Schnelligkeit, Pragmatismus und Zielorientierung teilt“, sagte Christof Günther, Geschäftsführer der Standortgesellschaft Infra Leuna, der Volksstimme. Was Günther vor allem meint: Die Kreisverwaltung in Merseburg war in der Vergangenheit sehr wirtschaftsfreundlich ausgerichtet, Genehmigungsverfahren waren zum Beispiel kürzer als anderswo. Die Unternehmen hoffen deswegen natürlich auf die Forsetzung dieses Kurses.

Diesen Gefallen dürfte Handschak ihnen sicher tun. Er war Anfang der 90er Jahre selbst aus der Wirtschaft in die Kreisverwaltung gewechselt, dort unter anderem lange Jahre Chef des Umweltamtes gewesen.

Handschak ist bei vielen Mitarbeitern im Landratsamt beliebt, er tritt eher leise und bescheiden auf, gilt als loyal, ihm wurde in früheren Positionen hohe Sachkompetenz bescheinigt. Letzteres bewies Handschak auch im Wahlkampf: Bei Foren wirkte er im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern oft besser vorbereitet und war bei Sachfragen aussagefähig.

Beim Thema Transparenz unterscheidet sich Handschak von seinem Vorgänger. Welche Ziele er in den kommenden sieben Jahren verfolgt, wie die Zusammenarbeit mit Halle aussehen soll und welche Schwerpunkte er im Kreistag setzen möchte – all das lässt Handschak offen. Eine entsprechene Anfrage der Volksstimme wollte Handschak nicht beantworten. Der verstorbene Landrat Bannert dagegen hatte die Öffentlichkeit stets mit einbezogen.

Arbeitsplatz: das Merseburger Schloss

Handschaks neuer Arbeitsplatz dürfte einer der schönsten im ganzen Land sein. Die Kreisverwaltung ist im sanierten Merseburger Schloss untergebracht mit Blick auf die Saale. Auf der anderen Seite des Schlosses liegt das berühmte Ständehaus. Dort tagt am 30. Oktober der Kreistag: Für Hand­schak ein wichtiger Termin. Der Kreistag soll nämlich bereits an diesem Tag die Vereidigung des neu gewählten Landrats vornehmen.