Magdeburg l „Anlass für diesen Schritt sind die Aufforderungen des Landesvorsitzenden und des Fraktionsvorstandes an mich, zur anstehenden Wahl des Fraktionsvorstandes nicht erneut zu kandidieren", schreibt der 43-Jährige in einer Erklärung auf Facebook. „Die Aufforderung war verbunden mit massiver Kritik an meinem Führungsstil und dem in meiner Verantwortlichkeit liegenden Zustand der Landtagsfraktion. Kritik, die ich annehmen muss, die mich aber in der massiven Form des Vortrags überrascht und teilweise auch verletzt hat."

Meinungsverschiedenheiten hätten selten über die politische Ausrichtung der Fraktion bestanden, sehr oft aber in Fragen der Organisation und der Kommunikation. Knöchel weiter: „Die Debatten waren nervenaufreibend und für mich nur schwer zu bewältigen." Sie hätten zu „Grabenkämpfen" geführt, „und ja, sie haben mich teilweise überfordert und aufgerieben". Auf Volksstimme-Anfrage wollte sich der Finanzpolitiker nicht weiter äußern.

Der Landesvorsitzende Andreas Höppner teilte in einer Erklärung mit: „Mit großem Respekt habe ich die Entscheidung des Fraktionsvorsitzenden Swen Knöchel zur Kenntnis genommen, bei der Neuwahl des Fraktionsvorstandes nicht mehr für diesen Posten anzutreten. Swen Knöchel hat in einer schwierigen Zeit die Verantwortung als Fraktionsvorsitzender übernommen und hat seine ganze Kraft dafür eingesetzt, die Landtagsfraktion in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen und auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren."

In schwieriger Situation viel geleistet

Neben Erfolgen habe es in der Fraktion und in der Partei aber auch Kritik gegeben. „Darüber haben wir in einem ehrlichen Prozess diskutiert – und zwar intern und nicht über Dritte."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Eva von Angern und der Parlamentarische Geschäftsführer Stefan Gebhardt erklärten: „Swen Knöchel hat als Fraktionsvorsitzender in den letzten anderthalb Jahren in einer schwierigen Situation viel geleistet und seine neue Funktion mit hohem Engagement ausgefüllt. Wir bedanken uns ausdrücklich für seine geleistete Arbeit." Und: „In der Vorbereitung der Fraktionsvorstandswahl gab es eine ehrliche und kritische Debatte über den Stand der Fraktion und deren Perspektiven. Mit hohem Respekt nehmen wir zur Kenntnis, dass unser Fraktionsvorsitzender daraus die Konsequenz gezogen hat, nicht wieder für das Amt anzutreten. Swen Knöchel wird auch weiterhin ein wichtiges und kompetentes Mitglied unserer Fraktion sein."

Knöchel war im März 2016, unmittelbar nach der Landtagswahl, einstimmig zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Er folgte auf Wulf Gallert, der nach dem schlechten Wahlergebnis für die Linke den Posten abgegeben hatte. Er ist jetzt Landtags-Vizepräsident.

Die Neuwahl des Fraktionsvorstands ist am 14. November.