1,2 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt werden etwa 1,2 Millionen Hektar Bodenfläche landwirtschaftlich genutzt. Etwa eine Million Hektar sind Ackerland: Rund die Hälfte der Fläche (rund 560.000 Hektar) wird mit Getreide bestellt.

Das Bundesland liegt im Mittelfeld, was die Größe der landwirtschaftlichen Nutzfläche angeht. Die meisten Acker- und Grünflächen haben Bayern (3,1 Millionen Hektar) und Nachbarland Niedersachsen (2,6 Millionen Hektar).

Viele Bauern im Bundesland sind nicht direkter Besitzer einer Ackerfläche: Etwa 70 Prozent der Landwirte haben ihre Grundstücke gepachtet, so der Landesbauernverband. In vielen Fällen tauschen Bauern untereinander gepachtete Flächen, etwa um Fruchtfolgen einhalten zu können.

Kauf- oder Pachtpreise sind frei verhandelbar. Lage, Größe und Zuschnitt der Ackerfläche spielen dabei eine Rolle. Orientierung liefern auch die sogenannten Bodenpunkte, die die Ertragsfähigkeit des Ackers vergleichbar machen. Preisrelevant ist auch, ob die Flächen einem Schutzstatus unterliegen und damit die Bewirtschaftbarkeit unter Umständen eingeschränkt sein könnte. (ba)

Magdeburg l Im Jahr 2016 haben Pächter zwischen Altmark und Burgenlandkreis für neu vergebene Äcker im Schnitt jährlich 376 Euro pro Hektar bezahlt. Das ist der höchste Wert in allen ostdeutschen Bundesländern. Der Gesamtschnitt – also inklusive des Altbestandes – lag bei 313 Euro. Auch das war der Spitzenwert, wie aus einer Antwort des Bundesfinanz-Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht.

Damit müssen Landwirte inzwischen fast doppelt so tief in die Tasche greifen wie vor zehn Jahren. In den neuen Ländern sind die Pachtpreise von 2007 bis 2016 um 86 Prozent gestiegen. Bundesweit liegen Neupachten bei rund 430 Euro pro Hektar – der Osten liegt damit weiter unter West-Niveau. Doch dass das bald vorbei sein könnte, zeigt auch ein Blick auf die Kaufpreise: Pro Hektar mussten 2016 im Osten rund 14.000 Euro bezahlt werden und damit das Zweieinhalbfache wie im Jahr 2006.

Viele Betriebe sind schon überschuldet

„Das ist ruinös“, sagt Kurt-Henning Klamroth, Landwirt aus Thale und Präsident des Bauernbunds in Sachsen-Anhalt. „So kann es nicht weitergehen. Viele Betriebe können das nicht mehr erwirtschaften. Immer mehr sind überschuldet, weil sie anders nicht mehr an Land kommen.“

Auch Ronald Westphal, Geschäftsführer des Betriebs von Agro Bördegrün, warnt vor gravierenden Folgen, die sich für die Unternehmen ergeben könnten: „Missernten sind für uns nur noch ganz schwer auszugleichen. Wir müssen auch unsere Mitarbeiter bezahlen und können nicht alles für die Pacht ausgeben.“

Ein Grund für den Preisgalopp ist die anhaltende Niedrigzins-phase. Kapitalstarke, branchenfremde Firmen suchen sichere Anlagen, machen den Bauern Äcker streitig und verschärfen so den Wettbewerb. Aber auch die staatliche Bodenverwertungs und -verwaltungs Gmbh (BVVG) sehen viele Landwirte kritisch. Das bundeseigene Unternehmen privatisiert ehemals volkseigene Agrar- und Forstflächen der DDR. „Die fordern für das Land erheblich mehr Geld als es im normalen Grundstücksverkehr üblich ist. Das treibt die Preise nach oben“, kritisiert Klamroth. Der Bauernbund fordert deshalb: „Der Staat muss eingreifen.“

Bodenrecht soll modifiziert werden

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) bestätigt, dass sich ihr Haus sich mit dem Problem beschäftigt. Derzeit wird an einem „Leitbild Landwirtschaft 2030“ gerarbeitet, das zum Ende des Jahres fertiggestellt werden soll. „Die hohen Ackerpreise sind für unsere Landwirte ein Problem. Ein Lösungsansatz wird die Modifizierung des landwirtschaftlichen Bodenrechts sein“, kündigt die Umweltministerin an.

Ronald Westphal von Agro Bördegrün hat indes wenig Hoffnung, dass die Politik helfen kann. „Das Geld hat sich bisher immer seinen Weg gesucht."

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