Magdeburg l In diesen Tagen läuft die Ernte auf dem ersten Feld von Erdbeer-Gummert aus Magdeburg an. Rund 150 Pflücker werden in diesem Jahr benötigt. 50 Hektar bewirtschaftet der Betrieb insgesamt. Wie viele helfende Hände es im Endeffekt werden, ist weiter unklar. „Stand jetzt fehlt uns die Hälfte der Leute“, sagt Konni Gummert, die gemeinsam mit ihrem Mann das Familienunternehmen leitet. Vorrangig Polen, aber auch Helfer aus Bulgarien und in diesem Jahr erstmalig aus Usbekistan sollen zum Einsatz kommen. „Gerade erst haben mir unsere Bulgaren abgesagt“, sagt Gummert. Ob und unter welchen Umständen ihre usbekischen Saisonkräfte im Juni anreisen dürften, stehe in den Sternen.

Anfang April hatte die Bundesregierung grünes Licht für die Einreise von bundesweit bis zu 80 000 Saisonarbeitskräften im April und Mai gegeben. Vor einer Woche landete am Flughafen Leipzig-Halle eine Maschine mit 135 Erntehelfern aus Rumänien, die dann zu Betrieben in mehrere Bundesländer gebracht wurden.

Rechnerisch reichten die 80 000 Helfer aus, sagt Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbands Sachsen-Anhalt. Ein „Kraftakt für die Betriebe“ seien die strengen Vorgaben für die Einreise, die Unterbringung und für die Arbeitsumgebung. Um Saisonkräfte aus Osteuropa einfliegen zu lassen, können Agrarbetriebe die benötigten Helfer über ein Portal des Bauernverbands anmelden. Feuerborn begrüßt die Lösung, beklagt aber zugleich ein aufwendiges und zeitintensives Verfahren. Die Organisation von Flügen und Auflagen bedeute beträchtliche Zusatzkosten für die Betriebe, während gleichzeitig Absatzmöglichkeiten bei Restaurants und Hotels ausfallen, so Feuerborn. Jetzt hofft er, dass keine weiteren Verschärfungen notwendig werden und dass die Betriebe - wenn möglich - gar auf Lockerungen hoffen dürfen.

Hoffen auf Verbraucher

Bei der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, einem der größten Spargelproduzenten im Land, hat man auf die verschärfte Situation reagiert. Nur 55 statt wie normalerweise 120 polnische Helfer werden eingesetzt. Die bewirtschaftete Fläche sei von 120 auf 60 Hektar reduziert worden, sagt der Vorsitzende Patrick Wolter.

Zu allem Übel kommt die neuerliche Trockenheit hinzu. Alles zusammen „eine extreme Situation“, so Wolter. Zuversichtlich bleibt er trotzdem. „Zumindest mit den Folgen von Corona werden wir klarkommen.“ Mit der reduzierten Zahl von Helfern verringerten sich auch die Lohnkosten. Zudem setzt Wolter auf den Spargelhunger der Verbraucher und darauf, dass insbesondere regionale Produkte in diesem Jahr hoch im Kurs stehen.

Darauf baut auch Jürgen Schulze, Geschäftsführer des Verbands der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer (VOSBA). Die Betriebe unternehmen im Moment „riesige Anstrengungen“, um die Liefersicherheit zu gewährleisten, bekräftigt er. Nichtsdestotrotz müsse man davon ausgehen, dass mit der geringeren Zahl von Helfern nicht 100 Prozent der Flächen beerntet werden könnten.

Zuletzt kamen 6000 bis 7000 Erntehelfer pro Jahr aus dem In- und Ausland in Sachsen-Anhalt zum Einsatz.