Magdeburg l Bildungsminister Marco Tullner (CDU) will den 170 Sekundar- und Gemeinschaftsschulen im Land zum neuen Schuljahr die Stundentafel für Fächer wie Deutsch, Mathe und Naturwissenschaften kürzen.

Als Ausgleich sollen den Schulen pauschal 1000 Stunden aus einem Pool des Schulamts zur Verfügung stehen. Solche Ausgleichsstunden sollen Schulen als planerischen Aufschlag erhalten, etwa wenn sie begründbar kleinere Klassen bilden müssen.

Schlechte Unterrichtsversorgung

Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf den Lehrermangel. An kaum einer anderen Schulform ist die Unterrichtsversorgung so schlecht. Zum Stichtag im Herbst lag sie bei 92,3 Prozent.

Um Unterricht auch bei Krankheit von Lehrern ohne Ausfall erteilen zu können, strebt die Koalition 103 Prozent an. Das Ziel rückt indes in immer weitere Ferne. Die Schülerzahlen an beiden Schulformen stiegen von 47.000 im Jahr 2013/14 auf zuletzt mehr als 53.000 an. Gleichzeitig verlassen nur wenige Sekundarschullehrer die Unis (2018: 53 bei 110 Absolventen fürs Lehramt an Gymnasien).

„Wir dürfen uns keine potemkinschen Dörfer bauen“, sagte Tullner. Die Maßnahmen seien mit Schulleitern erarbeitet worden. Sie sollen die Flexibilität der Schulen steigern. Sachsen und Niedersachsen gingen ähnlich vor. Die Linke kritisierte den Schritt scharf. Fraktionschef Thomas Lippmann sprach von der Aufgabe der Schulformen. Sekundarschulverbands-Chefin Claudia Diepenbrock sagte indes, die Maßnahmen seien wegen des Lehrermangels angemessen.

Das Bündnis „Den Mangel beenden“ sprach von Kürzung unter dem Radar. Das Bündnis will per Volksbegehren einen Personalschlüssel im Gesetz verankern, um solches Vorgehen künftig zu verhindern.

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