Halle (dpa) l Wirtschaftsvertreter in Sachsen-Anhalt dringen auf die schnelle Einführung eines Nahverkehrstickets für Auszubildende in Sachsen-Anhalt. "Uns ist es wichtig, dass es flächendeckend kommt, landesweit gültig ist und alle Verkehrsmittel umfasst", sagte die Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Simone Danek. In den Nachbarländern Thüringen, Sachsen und Brandenburg würden solche verbilligten Tickets für Lehrlinge bereits angeboten oder seien geplant. Wenn Sachsen-Anhalt nicht nachziehe, bedeute das für hiesige Firmen einen Wettbewerbsnachteil im Kampf um ausreichend Nachwuchskräfte.

Aus Sicht der vier Wirtschaftskammern im Land würde ein Azubi-Ticket zudem die Attraktivität einer Ausbildung im Vergleich zum Studium erhöhen. Vertreter von Kammern und Gewerkschaften fordern das Ticket schon länger. Die mitregierende SPD machte es bei den laufenden Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2020/2021 zur Bedingung. "Das muss drin sein", sagte ein Parteisprecher zuletzt.

Pläne für Azubi-Ticket sind unklar

Ministerpräsident Reiner Haseloff und Finanzminister Michael Richter (beide CDU) kündigten zwar am Dienstag an, dass die schwarz-rot-grüne Landesregierung eine Lösung gefunden habe, um einen Einstieg in ein Azubi-Ticket zu ermöglichen. Doch die Pläne sind bisher unkonkret.

Den beiden Politikern zufolge soll das Bildungsministerium prüfen, ob eine Regelung angewendet werden kann, mit der bisher Fahrt- und Internatskosten von Azubis übernommen werden. Im Topf sind 3 Millionen Euro. "Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig", kommentierte IHK-Geschäftsführerin Danek.

Auch die SPD-Abgeordneten sehen weiteren Klärungsbedarf. In der SPD-Fraktion könne sich niemand vorstellen, dass mit dem jetzigen Vorschlag ein Einstieg in ein Azubi-Ticket geschafft werden könne, sagte ein Sprecher. Für die Einführung eines Azubi-Tickets seien Gespräche mit den Bus-Unternehmen nötig und es müssten zusätzliche Fahrten bestellt werden. Das sei keine Aufgabe für den Bildungsminister, sondern müsse vom Verkehrsressort gemanagt werden.