Magdeburg l Die vergangenen Monate waren keine einfachen für die jungen Bewohner und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendhauses Lüttgenziatz. Gleich zwei ihrer Pferde hat die Einrichtung bei Möckern im Jerichower in den vergangenen zwei Jahren verloren. Nach dem hochbetagten Pony „Heidi“ starb erst kurz vor Weihnachten mit „Jonny“ ein weiteres Pferd. Dabei bilden Tiere auf dem großzügigen Gelände des Heims für Kinder mit Traumatisierungen und Entwicklungsproblemen eine zentrale Säule der Therapie.

„Durch ihre Spiegelneuronen können Pferde die Gefühlswelt von Kindern besonders gut erfassen, die Kinder fühlen sich verstanden und geborgen“, sagt Leiterin Kerstin Gläser. Gleichzeitig lernten die Kinder bei der Arbeit mit den Tieren, etwa beim Ausführen, dass sie etwas bewirken können – in Freundschaft zum Mitgeschöpf. Dank der gemeinsamen Spendeaktion „Leser helfen“ von Paritätischem und Volksstimme dürften nach dem Verlust von „Heidi“ und „Jonny“ nun wieder bessere Zeiten für das Kinderhaus anbrechen. 8500 Euro erhält die Einrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerks aus der Aktion.

„Wir sind überwältigt“, sagte Leiterin Gläser gestern bei der Abschlussveranstaltung im Gröninger Bad in Magdeburg.

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Mit dem Geld werde die Einrichtung ein neues Pferd kaufen können, so Gläser. Die Therapie für die Kinder ist damit dank Leserspenden gesichert. Das Kinder- und Jugendhaus ist nicht der einzige Spendenempfänger.

Bedacht werden bei der Aktion, die diesmal unter dem Titel „Brücken bauen“ stand, landesweit sechs Projekte. Insgesamt kamen exakt 34.551,75 Euro aus Leserspenden zusammen.

Geld für Initiativen

Über die Verteilung des Gelds berieten Paritätischer und Volksstimme gemeinsam. Leser-Wünsche zur Verwendung der Spenden wurden dabei direkt einbezogen, sagte Antje Ludwig, Referentin des Vorstands beim Paritätischen.

Allen Projekten gemein ist, dass sie Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen mit Beeinträchtigungen oder in Krisen helfen, den Weg zurück ins Leben zu finden, so Ludwig.

Außerdem: Die geförderten Projekte sind zumeist solche, die sonst eher weniger im Licht der Öffentlichkeit stehen. Teils werden sie ehrenamtlich begleitet. Die Projektmitarbeiter können Hilfen also in jedem Fall gut brauchen. Profitieren wird etwa auch die Initiative „Schwimmen lernen für Kinder und Jugendliche mit Autismus“ der „Selbsthilfegruppe Autismus“ in Stendal. 4000 Euro erhält das Projekt aus der Aktion.

Das Geld soll in einen mehrwöchigen Schwimmkurs für Kinder und Jugendliche mit Autismus im Waldbad Dobberkau fließen, sagte Karina Gyhra, von der Initiative und selbst Mutter zweier Jungen mit Autismus. Die Resonanz sei schon jetzt riesig. „Wir haben Anmeldungen aus der ganzen Altmark für Kinder mit drei Jahren, aber auch für junge Erwachsene bis 27“, so Gyhra. Ihr Ziel: Das Seepferdchen für viele Teilnehmer. „Das wäre eine tolle Belohnung“, sagt sie.

Bedacht wurden daneben Initiativen wie „Rudern gegen Krebs“ des Tumorzentrums Magdeburg, das Patienten mit Bewegungsangeboten mehr Lebensqualität schenkt – oder die „Eltern-AG für Gardelegen“, die Mütter und Väter in schwierigen Lebenslagen unterstützt. „Die Projekte sind so vielfältig wie das Leben“, sagte Antje Ludwig. Die Leserspenden werden dafür sorgen, dass solche Initiativen auch künftig Brücken bauen. Brücken, die Menschen helfen, ihren Weg ins Leben zu finden.