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Leseranwalt Sessel, Solar, Sexgespräche

Die kleinen und großen Probleme, mit denen sich unsere Leseranwalt-Redaktion im Jahr 2025 befasst hat.

Von Christian Wohlt 12.01.2026, 07:00
Ein Gaszähler oder ein Stromzähler? Das sollte man eigentlich nicht verwechseln können. Aber es ist passiert.
Ein Gaszähler oder ein Stromzähler? Das sollte man eigentlich nicht verwechseln können. Aber es ist passiert. IMAGO/Christian Ohde

Magdeburg. - Das Jahr 2025 brachte Lesern der Volksstimme viele Probleme und der Leserredaktion viel Arbeit. Nicht alles konnten wir lösen, aber fast immer (weiter)helfen. Das gilt selbst für Fälle, bei denen alle Bemühungen zunächst im Sande verliefen. Für den Leser, der eine falsche Rechnung bezahlen sollte, die in seinem Kundenkonto hinterlegt war, gab es nach der Veröffentlichung seiner Geschichte kurz vor Weihnachten überraschend doch noch ein Happyend. Ein Verantwortlicher der Firma Vaillant meldete sich mit einer Entschuldigung für die Service-Panne und schaffte die Sache nach einem Jahr endlich aus der Welt.

Oft ist der Hilferuf an die Redaktion die letzte Hoffnung, ein scheinbar unlösbares Problem doch noch zu klären. Meist ist die Situation für die Betroffenen sehr belastend. Nicht selten liegen die Ursachen für ein Problem lange zurück. Mehr als zwei Jahre kämpfte eine Leserin aus der Altmark darum, dass ihr die Einspeisevergütung für ihre Solaranlage gutgeschrieben wurde. Die Hauptursache für die Hängepartie lag nicht beim zuständigen Versorgungsunternehmen, sondern hauptsächlich im bürokratischen Aufwand, der durch Gesetzesänderungen entstanden war.

Viele Missverständnisse

Häufig sind es Kommunikationspannen oder Missverständnisse, die zur Funkstille zwischen Kunden und Firmen führen. Oft reicht schon ein Anruf „an höherer Stelle“, um den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Es kann sich aber auch herausstellen, dass nicht die Unternehmen schuld an der Misere sind.

Wer zum Beispiel fahrlässig mit einer EC-Karte umgeht, hat bei Missbrauch kein Recht auf Erstattung des Schadens. Wer Zahlungstermine verschusselt, darf sich nicht über Mahnungen beklagen. Wenn rechtliche Voraussetzungen nicht erfüllt sind, kann nicht über die Zeitung Druck gemacht werden, um Forderungen durchzusetzen.

Die meisten Firmen stehen zu Fehlern und geloben Besserung. Die skurrilste Erklärung für eine Abrechnungspanne lieferte ein Energieversorger, der bei einer Endabrechnung die Werte für Gas- und Elektroanschluss verwechselte. Andere schaffen Probleme still und leise aus dem Weg, ohne sich zurückzumelden. Viele zeigen Kulanz. Einige beweisen nachträglich besondere Kundenfreundlichkeit. Ein Händler spendierte eine neue Geschirrspülmaschine, nachdem sein Techniker beim Versuch, eine Waschmaschine anzuschließen, den Zuleitungsschlauch für das Nachbargerät gekappt hatte. Ein Energieversorger pfiff sein Inkassobüro buchstäblich in letzter Minute zurück, nachdem das Missverständnis mit einer Rechnung geklärt war.

Einige Themen flattern immer wieder auf den Tisch, Probleme mit Krankenkassen, Solar- oder Telekommunikations- und Internetanbietern zum Beispiel. Ein Dank an dieser Stelle an jene, die mit ihrer Sach- und Fachkunde immer gern weiterhelfen, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind, namentlich Diane Rocke von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt sowie Lothar Schirmer, Kriminalrat a.D. und Experte beim Schutz vor Gangstern und Ganoven. Leider fallen noch immer Leute auf Abzock-Maschen herein. Wie die Familie, der eine vermeintliche Gratisreise teuer zu stehen kommen sollte, oder der Mann, der nach dem Anruf bei einer Telefonsex-Hotline eine saftige Rechnung erhielt.

Bescheidene Anliegen

Manchmal klingen die Anliegen, mit denen sich Leser an die Redaktion wenden, sehr bescheiden und so, als seien sie einfach zu lösen. Ein Mann aus der Börde suchte lediglich jemanden, der seinen wenige Jahre alten Massagesessel repariert. Zum Wegschmeißen war ihm das gute Stück zu schade. Das Unterfangen stellte sich als äußerst schwierig heraus und es schien fast so, dass das Teil nicht mehr vor dem Sperrmüll zu retten ist. Zum Jahresende erhielt die Redaktion die Nachricht: „Wir bekommen das Problem gelöst. Es wird repariert.“ Zumindest konnten wir diesmal Hilfe zur Selbsthilfe leisten.