Magdeburg l In Sachsen-Anhalt stehen so viele Schüler unter coronbedingter Quarantäne wie nie seit Beginn der Pandemie. Die Zahl stieg binnen einer Woche von 6343 auf 8039 Kinder und Jugendliche am Freitag. Das sind knapp 3,3 Prozent der Schülerschaft. Gleichzeitig stehen 471 Lehrer in Quarantäne (knapp 2,4 Prozent). Vor einer Woche waren es noch 438.

Bei Interessenvertretern von Lehrern und Eltern wächst unterdessen die Unzufriedenheit über die Entscheidung des Bildungsministeriums, die Schulen bis zum offiziellen Ferienbeginn am kommenden Freitag weiter geöffnet zu halten. Das Bildungsministerium bestätigte die Planung auf Anfrage. Allerdings stimmen sich am Wochenende Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel erneut ab – weitere Verschärfungen sind dann nicht ausgeschlossen.

„Wir hätten uns im Sinne der Schüler und Kollegen etwas anderes gewünscht“, sagte Eva Gerth, Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW, zum Stand der Dinge am Freitag nach einem Gespräch mit Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Landeselternrats-Chef Matthias Rose sagte, die Entscheidung, die Schulen offen zu halten, löse bei ihm „großes Unverständnis“ aus.

Grüne: Präsenzpflicht aufheben

Der Elternrat hatte Tullner zuletzt bei einem Gespräch vorgeschlagen, den Unterricht vor den Ferien wenigstens 10 Tage auszusetzen, um Neuinfektionen zu reduzieren. Das Gremium begründet das unter anderem mit Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts. Ihnen zufolge zeigte gerade die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen zuletzt eine besonders hohe Infektionsrate.

Auch aus der Politik kommen Forderungen nachzusteuern: „Wenn wir jetzt nichts tun, haben wir noch vor Weihnachten sächsische Verhältnisse“, sagte Grünen-Landesvorsitzende Susan Sziborra-Seidlitz. Die Grünen fordern daher: „Ab kommenden Montag digitalen Fernunterricht ab der Sekundarstufe und ein Aufheben der Präsenzpflicht an den Grundschulen.“

Auch die oppositionelle Linke fordert die Aufhebung der Schulpflicht vor Weihnachten. „Damit würde die Situation in den Schulen weitgehend entspannt werden“, sagte Fraktionschef Thomas Lippmann. In Sachsen-Anhalt seien die Infektionszahlen zuletzt massiv angestiegen und erreichten ständig neue Höchststände. Dieser Entwicklung der Infektionszahlen müsse dringend entgegengewirkt werden.

Zuvor hatte bereits die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, vorgeschlagen, die Schulen ab Montag und bis 10. Januar zu schließen. In einer Videokonferenz am Donnerstag hatten sich die Kultusminister – auch wegen bereits getroffener landesspezifischer Regelungen zur Verlängerung der Ferien – nicht auf weitergehende Schritte geeinigt. Niedersachsen hatte gestern angekündigt, die Präsenzpflicht in Schulen in der kommenden Woche aufzuheben.

In Sachsen-Anhalt wurde die unterrichtsfreie Zeit in den Januar hinein bis einschließlich 8. Januar verlängert. Andere Länder haben die Weihnachtsferien vorgezogen.