Magdeburg l Eine Adresse im Internet finden, Nachrichtenseiten aufrufen, eine Straßenroute navigieren, den Busfahrplan aufrufen: Mit dem Telefon in der Hosentasche geht das alles auch von unterwegs – wenn ein schnelles Netz da ist. Und damit hapert es in Sachsen-Anhalt gewaltig. Die Lücken sind groß. Ausgerechnet in der Touristik-Region Harz, aber auch im Landesnorden breitet sich die Internetwüste aus.

Irgendein Netz kriegt man zwar fast immer. Aber kein schnelles. Das braucht man aber, da die Internetseiten mittlerweile aufwändig gestaltet und damit sehr datenschwer sind.

Statistik schönt die Realität

Grob gesagt gibt es drei Tempostufen: 2G, 3G und 4G. (5G ist in Berlin im Test.) 2G gibt es in Sachsen-Anhalt nahezu überall. Doch das kann man vergessen, sobald man auf einer digitalen Landkarte navigieren, die aktuellen Fußballergebnisse oder Nachrichtenseiten lesen will. 3G ist meist ausreichend, aber auch nicht überall erreichbar. 4G – das so genannte LTE – ist besser und mittlerweile das Maß der Dinge.

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Im LTE-Ländervergleich liegt Sachsen-Anhalt auf Rang vier. Das klingt gut, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Denn: Laut Statistik können in Sachsen-Anhalt knapp 97 Prozent der 1,1 Millionen Haushalte LTE empfangen. Wohlgemerkt: Der Haushalte. Aber eben nicht 97 Prozent der Fläche. Und das macht was aus. Zur Verdeutlichung: Drei Prozent der Haushalte haben kein LTE. Damit stecken immerhin etwa 40.000 Haushalte im LTE-Loch. Das sind gut 80.000 Einwohner. Betroffen sind meist kleine Gemeinden, die im dünn besiedelten Land weit verstreut liegen. Da kommen schnell 100 Dörfer zusammen. Und die liegen nicht selten unweit von Bundesstraßen oder Autobahnen. Folge: Löcher im Netz, sobald man die Stadtgrenzen überschritten hat.

Funklöcher selbst an Touristenroute

Erschwerend hinzu kommt, dass nicht jeder Anbieter gleich stark vor Ort präsent ist. Telekom und Vodafone bieten derzeit die größte Abdeckung. Telefonica (O2, e-plus, Blau) hat erst 80 Prozent erreicht. Wenn etwa Telekom in einem Ort LTE anbietet, gilt der als versorgt. Wer seinen Vertrag aber etwa bei Telefonica hat und durchs Land fährt, gerät schnell ins LTE-Loch.

Entlang der B6 im Harz etwa klappt oft nicht mal durchgängig der normale Telefonempfang, berichtet die CDU-Bundestagsabgeordnete Heike Brehmer. Dann rauschen die Touristen von einem Funkloch ins nächste. „Das geht gar nicht. Hier müssen wir unbedingt mehr machen.“

Am schwächsten versorgt ist der Landkreis Stendal. 5500 Haushalte und damit gut 11.000 Einwohner haben derzeit überhaupt keinen LTE-Empfang. In dem dünn besiedelten Landkreis mit seinen vielen kleinen Dörfern sind daher große Flächen betroffen. Seiten 2 und 4

„Versorgungslücken und regelmäßige Verbindungsabbrüche bei Handytelefonaten darf es am Wirtschaftsstandort Deutschland zukünftig nicht geben“, schreibt die Bundestagsfraktion der Union in ihr aktuelles Internet-Positionspapier. Aber was heißt „zukünftig“?

Der Bund hat es in der Hand, auf die Mobilfunkbetreiber Druck auszuüben. Er versteigert alle paar Jahre die Frequenzen und kann Bedingungen stellen. 2015 erhielten die drei großen Betreiber Telekom, Vodafone und Telefonica den Zuschlag für frei werdende Frequenzen, die im Zuge der Umstellung auf das Digitalfernsehen DVB-T2 frei wurden. Und sie bekamen den Auftrag, bis 2020 97 Prozent der Haushalte in den Bundesländern mit flottem, mobilen Internet zu versorgen. Die drei Unternehmen blätterten bei der Versteigerung 2015 mehr als fünf Milliarden Euro hin. Milliardenschwere Gewinne  locken vor allem in dicht besiedelten Städten.

Neuregelung ab 2018 möglich

Die Wirtschaftsminister der Länder machen nun Dampf beim Bund, bei der nächsten Versteigerung (voraussichtlich 2018) den Druck auf die Anbieter zu erhöhen: Es darf nicht länger nur um Haushalte, es muss  künftig auch um die Fläche gehen. Nur, wenn nahezu jedes Dorf erreicht ist, sind auch die großen Verkehrswege erschlossen. Wer Frequenzen haben will, muss dann auch in der Fläche liefern.

Die Parteien - von CDU bis Grüne - wollen künftig zudem auch den Ausbau von Mobilfunkmasten staatlich fördern, da vor allem in bergigen Regionen hohe Investitionen nötig sind. In Sachsen-Anhalt würde davon der Harz profitieren.

Bislang gibt es Steuergeld fast ausschließlich fürs Festnetz-Internet. Sachsen-Anhalt macht dafür 200 Millionen Euro locker. Allerdings stoßen Baufirmen an ihre Grenzen: Das große Ziel, alle Haushalte mit flottem Festnetz-Internet bis Ende 2018 zu versorgen, ist wohl nicht zu halten. Jetzt wird Ende 2019 angepeilt.

„Schnelles Internet ist Daseinsvorsorge“, sagt der Landrat vom Altmarkkreis Salzwedel Michael Ziche (CDU). Wer auf dem flachen Land junge Familien halten will, muss da mithalten.

„Wir werden weiter mit den Mobilfunk-Anbietern im Gespräch bleiben, damit sie auch die letzten weißen Flecken an Verkehrswegen und in der Fläche weitgehend beseitigen“, verspricht Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD).