Magdeburg l Wittenberg ist im Vergleich zu Eisleben und Mansfeld der Verlierer bei der Entwicklung der Übernachtungszahlen in den vergangenen Jahre. Eisleben hingegen ist der Gewinner. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Die Zahl der Übernachtungen aus dem Jahr 2019 muss größer sein, als die aus 2016. Wenn das der Fall ist, sprechen Tourismus-Experten von einer langfristigen positiven Wirkung.

Wittenberg gilt als „Luther-Hotspot“ Sachsen-Anhalts und blieb trotzdem vor Einbußen nicht verschont. Nach Auskunft des Statistischen Landesamts konnte die Stadt im Jahr 2016 gut 215 000 Übernachtungen verbuchen. Diese Zahl konnte im Luther-Jubiläum auf circa 270 000 angehoben werden.

In den Jahren 2018 und 2019 musste die Stadt Einbußen hinnehmen. So fiel die Anzahl im Jahr 2018 von gut 192 000 auf 187 000 im vergangenen Jahr. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Übernachtungszahlen nach 2017 rückläufig sein werden“, sagt Kristin Ruske, Leiterin der Tourist-Information Wittenberg. Sie führt die sinkenden Zahlen einerseits auf die vermehrten Individualreisenden und andererseits auf die Hitze der vergangen Sommer zurück.

Parkplätze und Toiletten

Wegen der historischen Ereignisse in Wittenberg ist es nicht verwunderlich, dass in die Stadt eine große Summe geflossen ist. „7,4 Millionen Euro kostete die Restaurierung der Schlosskirche. Von dieser Summe zahlte das Land sechs Millionen“, sagt Robin Baake von Wirtschaftsministerium. Die Restaurierung dauert vier Jahre. Im Oktober 2016 wurde die Schlosskirche wiedereröffnet. 14,3 Millionen Euro für Infrastruktur. Aber nicht nur das Gotteshaus wurde saniert, sondern auch die touristische Infrastruktur der Lutherstadt ausgebaut.

Für die Summe in Höhe von 14,3 Millionen Euro wurden beispielsweise Parkplätze angelegt, die zentrale Stadtinformation und die historische Stadtinformation saniert. Außerdem wurde das touristische Leitsystem der Stadt erneuert und die öffentlichen Toiletten modernisiert. „Die Instandsetzungen wurden auf Dauer angelegt und nicht nur speziell für 2017. Das kommt den Gästen, Wittenbergern und Sachsen-Anhaltern lange zu gute“, sagt Kristin Ruske von der Tourist-Information.

Die Übernachtungszahlen für Eisleben haben sich zwischen 2016 und 2019 gesteigert, so das Statistischen Landesamt. Während 2016 rund 34 000 Übernachtungen in Eisleben gezählt wurden, stieg die Anzahl im Luther-Jahr auf etwa 47 000 an. 2018 gab es dann einen Rückgang auf gut 38 000 Übernachtungen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl dann wieder auf 42 000 an. Investiert wurde dort in die Sanierung des Sterbehauses von Luther – 5,7 Millionen Euro.

Die Übernachtungszahlen für Mansfeld sind zwischen 2016 und 2019 rückläufig. Im Jahr 2016 wurden gut 25 000 Übernachtungen gezählt. Diese steigerten sich 2017 auf etwa 27 000. In den Jahren 2018 und 2019 sind die Zahlen dann von rund 25 000 auf gut 24 000 etwas zurückgegangen. Damit liegt der Wert des vergangenen Jahres nur minimal unter dem von 2016. „Die Restaurierung und der Neubau des Museums hat dort 4,2 Millionen Euro gekostet.

Interesse in den USA

Für Marion Baum von der Tourist-Information Eisleben und Mansfeld ist das Interesse an Martin Luther nach wie vor groß. Auch viele internationale Reisegruppen beispielsweise aus den USA hätten die Gedänkstätten besichtigt. „Die Investitionen haben sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt sie. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation hätten sich künftig mehr Individualtouristen angekündigt.

Robin Baake vom Wirtschaftsministerium sagt ausblickend auf die nächsten Jahre: „Luther und die Reformation wird auch weiterhin für Sachsen-Anhalt ein Schwerpunkt in der Tourismuswerbung national wie international sein.“ Damit spricht er das 500-jährige Jubiläum der Bibelübersetzung in den Jahren 2021 und 2022 an.

Die Pressesprecherin der Stiftung Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Nina Mütze, hat dazu schon genaue Pläne: „Zum Jubiläum ,Bibelübersetzung‘ eröffnen wir in Eisleben im Oktober für zwei Jahre eine Mitmachausstellung zum Thema ´Deutsche Sprache´“. In Wittenberg sind künftig zu diesem Thema Ausstellungen und Lesungen vorgesehen. Luther wird in Sachsen-Anhalt also auch zukünftig beschäftigen – und Touristen ins Land locken.