Berlin l Es ist der 2. Oktober 1990, als die Nationale Volksarmee (NVA) aufhörte zu existieren. Der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR hatte die Auflösung der Ost-Streitkräfte beschlossen. In den 80er Jahren hatte die NVA noch eine Stärke von 170.000 Soldaten. Seit der Einführung der Wehrpflicht 1962 gehörte der befristete Dienst in den Streitkräften zum normalen männlichen Lebenslauf. Denn in der DDR gab es kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Dort war legal nur ein waffenloser Bausoldatendienst innerhalb der Nationalen Volksarmee möglich. Dessen Inanspruchnahme zog aber später unter Umständen berufliche Nachteile nach sich.

In einem Beitrag „Wehrdienstverweigerung“ der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es dazu außerdem: „Von den DDR-Gerichten wurden jedes Jahr durchschnittlich 150 Totalverweigerer verurteilt. Unter ihnen befanden sich jeweils rund 100 Zeugen Jehovas. Die Strafen betrugen zwischen 18 und 22 Monaten Freiheitsentzug. 1985 wurden auf Anweisung des Verteidigungsministers Heinz Hoffmann alle Totalverweigerer aus der Haft entlassen. Von diesem Zeitpunkt an wurde niemand mehr inhaftiert oder verurteilt. Die Anweisung wurde nirgends veröffentlicht, und so hingen Verhaftung und Knast bis zur Revolution im Herbst 1989 weiterhin wie ein Damoklesschwert über allen Totalverweigerern.“

Mit der Vereinigung am 3. Oktober 1990 gingen alle Waffen, Munition und Liegenschaften der Nationalen Volksarmee auf die Bundeswehr über.

Die Hamburger Militär-Wissenschaftlerin Dr. Nina Leonhard schreibt in ihrem Aufsatz „Die Soldaten der NVA und die ,Armee der Einheit‘“: „Alle Generäle und Admirale der NVA, alle verbliebenen Polit­offiziere, Soldaten über 55 Jahre sowie die weiblichen Armeeangehörigen (mit Ausnahme der Offiziere des Sanitätsdienstes) wurden entlassen bzw. in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.“

Die Bundeswehr übernahm ihren Angaben zufolge zunächst rund 90.000 Soldaten – 39.000 Wehrdienstleistende sowie rund 51.000 Zeit- und Berufssoldaten. Während die Werdienstleistenden ihre Zeit regulär beendeten, wurde weiter aussortiert. Letztendlich blieben nach kurzer Zeit nur noch 10.800 ehemalige Soldaten, darunter 3000 Offiziere, 7600 Unteroffiziere und Feldwebel sowie 200 Mannschaftssoldaten, dauerhaft bei der Bundeswehr. Die anderen schieden aus dem Militärdienst aus und mussten sich auf dem zivilen Arbeitsmarkt eine neue Beschäftigung suchen.