Magdeburg l Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kündigte gestern an, dass ab Montag (4. Mai) zunächst die Viertklässler und Jugendliche, die im nächsten Jahr ihren Abschluss machen, wieder regelmäßig in die Schule gehen. Ab Mittwoch (6. Mai) kommen diejenigen hinzu, die das Abitur im Jahr 2022 machen wollen.

Ebenfalls ab dem 6. Mai und bis zum Beginn der Pfingstferien soll an jedem Tag eine andere Klassenstufe in die Schulen kommen. Dort werden die Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet.

In den Pfingstferien sollen die Schulen – soweit möglich – freiwillige Angebote für die Schüler vorhalten. Ziel ist, versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. Nach den Ferien (ab dem 2. Juni) soll es für alle Klassenstufen regelmäßigen Unterricht geben – und zwar im Wechsel zwischen Unterricht vor Ort und Lernen zu Hause. Vorstellbar ist laut Tullner der tage- oder auch wochenweise Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht.

Bilder

In Sachsen-Anhalt sind Schulen und Kitas seit dem 16. März geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW erklärte, an den Schulen drohten jetzt ein „neuerliches Chaos und erhebliche Gefährdungen“. Die jetzigen Planungen seien „überstürzt und wenig durchdacht“.

Dietrich Lührs, Leiter am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft christlich orientierter Schulen, warf dem Bildungsministerium eine unzureichende Informationspolitik und schlechtes Krisenmanagement vor.

Auch in der CDU brodelt es. Der Landtagsabgeordnete Markus Kurze sagte: „Die Ungeduld wächst. Unsere Bevölkerung erwartet, dass die Politik jetzt handelt und das Land wieder hochfährt.“ CDU-Fraktionschef Siegfried Borgwardt betonte: „Sachsen-Anhalt befindet sich mit den aktuellen Fallzahlen auf den hinteren Rängen und kann einen anderen Weg einschlagen als zum Beispiel Bayern.“ Es müsse eine stufenweise Öffnung der gastronomischen sowie touristischen Strukturen erfolgen: „Die Bürger brauchen jetzt Perspektiven.“ Zuletzt sind in Sachsen-Anhalt innerhalb eines Tages vier neue Corona-Fälle dazugekommen. Bislang haben sich laut Gesundheitsministerium 1526 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als zwei Drittel von ihnen (1094) haben die Krankheit überstanden.

Indes müssen Läden mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern weiter geschlossen bleiben. Das entschied das Oberverwaltungsgerichts Sachsen-Anhalt. Der 3. Senat habe den Antrag einer Handelskette für Sport- und Bekleidungsartikel gegen die Anordnung des Landes abgelehnt, teilte das Gericht gestern mit. Der Senat stufte die Entscheidung für die Flächenbeschränkung als „notwendige infektionsschutzrechtliche Schutzmaßnahme“ ein. Die Maßnahme sei verhältnismäßig, die Landesregierung habe nicht willkürlich gehandelt.