Illegaler Handel im „Darknet“

Im Darknet (englisch für „dunkles Netz“) können sich Nutzer anonym bewegen. Der nur über Anonymisierungsdienste erreichbare Bereich des Internets wird von Kriminellen genutzt, aber auch von Menschen, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben.

Zugangsvoraussetzung ist eine Anonymisierungssoftware, etwa die Software „Tor“. Wie in einer Art Paralleluniversum werden abgeschirmte Verbindungen hergestellt, auf die man von außen nicht ohne weiteres zugreifen kann. In der Regel benötigt man eine Einladung.

Die Polizei kann Banden wie in der Altmark oft nur ausheben, wenn die Taten die reale Welt erreichen, zum Beispiel durch falsch verschickte Pakete.

Stendal l Professioneller geht es kaum. Am Abend erfolgt die Bestellung und am nächsten Morgen geht die Lieferung per Post raus. Die Rede ist nicht von einem Online-Shop wie Amazon, sondern einem aus Salzwedel heraus betriebenen illegalen „Kleinen Pulvershop“ im Darknet. Gehandelt wurde darüber laut Anklage alles, was der Drogenmarkt hergibt: Heroin, Ecstasy-Tabletten, LSD, Crystal, Kokain und vor allem Marihuana.

Sieben Angeklagte im Alter zwischen 21 und 32 Jahren, vom mutmaßlichen Verpacker, Boten bis zum Shop-Betreiber, stehen dazu vor dem Stendaler Landgericht. An den ersten zwei Prozess- tagen sagten bereits Angeklagte aus und legten das System offen. Die verkauften Mengen sollen sich im Kilogramm-Bereich bewegt haben.

Erlös von 730.000 Euro

In seiner Anklage spricht Staatsanwalt Gerd Regel von einem geschätzten Erlös von insgesamt rund 740.000 Euro. Die Strukturen waren nach seiner Meinung höchst organisiert.

Das bestätigt auch die umfangreiche Aussage eines „Verpackers“. Der 22-Jährige habe sich von dem Shop-Besitzer, einem 32-jährigen Angeklagten aus Niedersachsen, sogar den Führerschein finanzieren lassen. Hinzu kam ein guter Wochenverdienst von rund tausend Euro in bar. „Alle 14 Tage traf ein großes Paket aus Magdeburg ein“, sagt der Salzwedeler. Später, als er den Führerschein hatte, musste er die Ware selbst abholen. Im Wesentlichen waren in den Umzugskartons immer rund ein bis zwei Kilogramm Marihuana, jeweils hundert Gramm mit Kokain, Crystal und Heroin. In den Lieferungen sollen auch immer Ecstasy-Tabletten und zahlreiche Medikamente gewesen sein.

Der mündliche Arbeitsvertrag sollte ein Jahr lang laufen, bis er selbst einen eigenen Online-Shop aufbauen könne. Der Salzwedeler musste dafür in einer Fünf-Tage-Woche morgens um 5 Uhr in einer Wohnung die Lieferungen vorbereiten. Alles wurde abgewogen, in Folie verschweißt, eingetütet und versandfertig gemacht. Die Lieferadressen in ganz Europa mit den gewünschten Mengen sollen täglich über einen Darknet-Chat auf den Laptop geschickt worden sein. Bezahlt hätten die Kunden mit der Internetwährung Bitcoin. Bis etwa 8 Uhr mussten die Briefe und Pakete raus sein.

40 bis 60 Sendungen pro Tag

Die 40 bis 60 Sendungen pro Tag gab der Angeklagte bei der Post in verschiedenen Orten der Umgebung auf, um nicht aufzufallen. „Die Spätlieferungen habe ich dann um 16 Uhr nochmal fertig gemacht“, gesteht der Angeklagte, der sich selbst auch einige der Drogen abzweigte. Die schnelle Lieferung hätten die Kunden des Shops immerhin mit 4,8 von 5 Sternen bewertet. Anfangs seien es 2300 und später kurz vor der Festnahme 8000 Bewertungen gewesen. Woher die Drogen für den Verkauf kamen, blieb vorerst noch unklar. Aufgeflogen war der Shop durch einen Zufallsfund bei einem der Angeklagten.

Weitere Prozess­tage sind am 25. Oktober und 1. November eingeplant. Im Fall einer Verurteilung droht den Angeklagten wegen des bandenmäßigen Handelns von Drogen in nicht geringer Menge eine Mindest-Haftstrafe von fünf Jahren.