Magdeburg (dpa) l Drei Jahre nach dem spurlosen Verschwinden der kleinen Inga in einem Wald bei Stendal steht die Polizei weiter vor einem Rätsel. "Wir haben 2125 Hinweise bekommen, monatlich gehen noch einzelne Nachrichten ein", sagte Polizeisprecher Marc Becher der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. "Jedem Hinweis wird nach wie vor nachgegangen." Und auch mögliche Parallelen zu neuen Fällen aus anderen Bundesländern würden geprüft. Was mit Inga geschehen ist, ist dennoch vollkommen unklar. Das damals fünf Jahre alte Mädchen war am 2. Mai 2015 in dem Wald zum Holzsammeln aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Polizei führt den Fall laut Becher als Vermisstensache.

Auch das erste und bislang einzige Interview, mit dem Ingas Eltern vor einem Jahr an die Öffentlichkeit gegangen waren, brachte laut dem Polizeisprecher keine nennenswerten neuen Hinweise. Zum zweiten Jahrestag hatte die Mutter dem Magazin "Stern" gesagt, ihr Gefühl sage ihr, Inga sei am Leben. Der Vater hingegen sah nichts, was für einen guten Ausgang sprechen könnte, den er sich wünsche. Sie äußerten in dem Interview die Hoffnung, dass sich doch noch jemand einen Ruck gibt und einen entscheidenden Hinweis liefert.

Die Suche nach Inga war gleich am Abend ihres Verschwindens großangelegt worden. Das Mädchen war mit seiner Familie im Stendaler Ortsteil Wilhelmshof zu Besuch gewesen. Man wollte Holz für ein Lagerfeuer suchen. Nachdem Inga nicht zurückkehrte, startete eine riesige Suchaktion auf dem gut 3500 Hektar großen Gelände, Hubschrauber wurden eingesetzt, ebenso wie besonders sensible Suchhunde. Inga blieb wie vom Erdboden verschwunden.

Bilder

Aufrufe und TV-Sendungen

Binnen kurzer Zeit gingen sehr viele Hinweise ein, die Polizei hoffte aber vergebens auf eine heiße Spur. Auch diverse Aufrufe in einschlägigen Fernsehsendungen halfen nicht. 16 Kartons mit 150 Bänden Akten gaben die Beamten schließlich an die Staatsanwaltschaft ab. Eine eigens gegründete Ermittlungsgruppe ist längst aufgelöst.

Eine Statistik des Landeskriminalamts zeigt, dass die meisten vermissten Kinder binnen kurzer Zeit wieder auftauchen. Von 206 im vergangenen Jahr als vermisst gemeldeten Kindern seien inzwischen 197 zurück. 147 von ihnen seien nach spätestens einer Woche wieder bei ihren Eltern oder sonstigen Verantwortlichen gewesen. Nur fünf Kinder seien zwischen drei und sechs Monaten lang verschwunden gewesen und eines zwischen sechs Monaten und einem Jahr.

Bei den offenen neun Fahndungen aus dem vergangenen Jahr handele es sich um drei Kindesentziehungen, vier unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, einen 13-jährigen Dauerausreißer sowie um ein Kind, das aus einem Heim ausgerissen sei.

Zum Stichtag 22. April waren laut LKA in Sachsen-Anhalt 29 vermisste Kinder registriert. Der älteste Fall stamme aus dem Jahr 1979, der jüngste war gerade an dem Tag gemeldet worden. Unter den Vermissten seien zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gewesen, fünf Fälle von Kindesentziehung, ein Familienstreit und vier Ausreißer, in drei Fällen vermuten die Ermittler einen Ertrinkungstod. Ein Straftatverdacht bestehe bei der vermissten Inga und bei der seit Ostern 1998 verschwundenen damals 13-jährigen Mandy aus Halle.