365 Tage im Jahr, keine freie Minute bei oft schwerer physischer und psychischer Belastung – die häusliche Pflege bringt Angehörige häufig bis an den Rand ihrer Kräfte. Vom Staat fühlen sich die Betroffenen in ihrer Not oftmals allein gelassen. Sie haben den Eindruck, dass auf der Bereitschaft, Familienangehörige fürsorglich zu pflegen, bewusst geritten wird. Nächstenliebe dient als Feigenblatt!

Doch die Angehörigen zum größten Pflegedienst der Nation zu machen, erweist sich als Milchmädchenrechnung. Denn das Risiko, krank zu werden, ist bei pflegenden Angehörigen viel höher als bei den nicht Pflegenden. Burnout, Depression, orthopädische Probleme – hier werden Kosten ins Gesundheitssystem verlagert, die man sich im Pflegesystem erspart. Volkswirtschaftlich gesehen, ist das wenig sinnvoll. Vorbeugen ist in jedem Fall besser als heilen – es braucht also noch deutlich mehr Unterstützung, die spürbar entlastet.