Harzer Stadt nach zweitem Brand in 24 Stunden in Angst / 2000 Euro Belohnung für Täterhinweise

Polizei sucht Blankenburger Feuerteufel

Von Ingmar Mehlhose 29.09.2012, 03:16

Innerhalb von 24 Stunden ist in Blankenburg erneut ein Gebäude durch Brandstiftung vernichtet worden. Etwa 100 Einsatzkräfte haben seit der Nacht zu Freitag versucht, das einstige Hotel "Haus Silberborn" zu löschen. Die Ruine an der B 27 muss abgerissen werden.

Blankenburg l Ein Zeuge hatte am Freitagmorgen gegen 1.20 Uhr Alarm geschlagen. Bei Eintreffen der Blankenburger Feuerwehr brannte das vierstöckige Gebäude über mehrere Etagen. Starker Wind und die Lage des einstigen Hotels "Haus Silberborn" an einem Steilhang erschwerten die Löscharbeiten der etwa 100 Einsatzkräfte aus elf Feuerwehren. Bereits am Morgen stand fest, dass es sich um Brandstiftung handelt. Halberstadts Polizeisprecher Peter Pogunke: "Dafür sprechen die Spuren und die schnelle Ausbreitung des Feuers."

Immer wieder flammten im Verlaufe des Tages Brandnester auf. Ein Bauingenieur und ein Fachberater des Technischen Hilfswerkes begutachteten die Ruine. Ihrem Urteil folgend wurde am Nachmittag wegen akuter Einsturzgefahr mit dem Abriss begonnen. Die am "Haus Silberborn" vorbeiführende Bundesstraße 27 muss bis heute Abend 18 Uhr voll gesperrt bleiben. Über die Schadenshöhe wurde zunächst nichts bekannt.

Unterdessen geht in Blankenburg die Angst vor einem Feuerteufel um. Erst am Mittwochabend war die Gaststätte des Bio-Bades angezündet worden (Volksstimme berichtete). Nach Volksstimme-Informationen hatten die Flammen nicht nur von einem benachbarten Grillstand auf das Gebäude übergegriffen. Spezialisten fanden gleich an mehreren Stellen Spuren von einem Brandbeschleuniger.

Blankenburgs Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) zeigte sich im Gespräch mit der Volksstimme erschüttert. Der Rathauschef: "Fakt ist, dass wir Angst haben, irgendein Spinner will hier Zeichen setzen." Eine Gruppe Blankenburger hatte deshalb bereits gestern Morgen eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgelobt, für Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Täter führen.

Tatsache ist auch, dass am Mittwochabend nicht nur die Gaststätte brannte, sondern es noch ein weiteres Feuer in der Stadt gegeben hatte. Passanten löschten die an einem leer stehenden Gebäude der alten Teufelsbad-Kurklinik lodernden Flammen selbst.

Das "Haus Silberborn" ist bereits seit Mitte der 1990er Jahre verwaist. Es war laut Stadtarchivarin Ingrid Glogowski 1892 als Hotel erbaut worden. Während der beiden Weltkriege diente es als Lazarett und nach 1945 dem Blankenburger Krankenhaus zur Isolation von Tuberkulosekranken. Kurzzeitig gehörte es der Kirche, die dort Diakonissen unterbrachte.

1957 übernahm der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund die Immobilie und richtete darin das Ferienheim "Klara Zetkin" ein. Private Versuche nach der Wende, dort eine Pension mit Gaststätte und einen Markt für Gebrauchtwaren einzurichten, scheiterten. Bereits 1992 brannten innerhalb kurzer Zeit ein Nebengebäude mit Garagen und die gegenüberliegende Tennishalle von "Haus Silberborn" nieder.

Aktueller Eigentümer ist ein Architekt aus dem rheinländischen Elsdorf. Mehrfache Versuche, gestern persönlich Kontakt mit ihm aufzunehmen, scheiterten. Allerdings dürfte sich der Besitzer ohnehin von dem Gemäuer habe trennen wollen. Auf einer Internet-Plattform wird das einstige Hotel mit dem knapp 7000 Quadratmeter großen Grundstück für 200 000 Euro zum Kauf angeboten. Verfügbar seit dem 1. September 2012.