Magdeburg l Eine Reihe von Automaten-Sprengungen auf Bahnhöfen erschüttert die Region um Magdeburg. Vergangenen Donnerstag sprengten erneut Unbekannte einen Ticketautomaten. Die Geldkassette wurde entleert, die Fahrscheine blieben unberührt. Wie viel Geld sich in dem Automaten enbefand ist noch unklar. „Meist sind es nur wenige hundert Euro“, erklärt ein Ermittler der Volksstimme. Die Geldkassetten werden nämlich von der Bahn regelmäßig geleert.

Während der Magdeburger Automat mit einer Art Rohrbombe gesprengt wurde, setzten die Täter in der Börde und im Salzlandkreis ein Gasgemisch ein. Meist wird dazu Azetylen und Sauerstoff, wie es beim Schweißen benutzt wird, verwendet. Allein im Juli leiteten Ticketbomber mitten in der Nacht fünfmal das explosive Gas in die Automaten ein und versuchten so an die Geldkassetten zu gelangen. In allen Fällen war das Geld durch Farbpatronen bei der Explosion unbrauchbar geworden.

Die Gasbomber haben sich davon bisher aber nicht abschrecken lassen. Der Schaden beläuft sich inzwischen auf mehrere zehntausend Euro. Bei der ersten Sprengung Anfang Juli in Calbe (Saale) ist die Frontklappe des Automaten sogar 13 Meter weit geflogen. „Die 40 Kilogramm schwere Tür hätte leicht einen Menschen töten können“, erklärt die Sprecherin der Bundespolizei Chris Kurpiers.

Der Hinweis auf die tödliche Gefahr ist berechtigt. Erst im vergangenen Jahr bezahlte im Oktober ein 19-Jähriger eine solche Sprengung am S-Bahnhof in Halle mit seinem Leben. Er hatte mit Komplizen die Detonation mit einer Sprayflasche vorbereitet und war dabei ums Leben gekommen.

Angesichts der Häufung hat die Bahn eine Belohnung in Höhe von 15.000 Euro für Hinweise auf die Automatensprenger ausgesetzt, will in den nächsten Tagen Fahndungsplakate aushängen. Während deutschlandweit die Zahl von gesprengten Geldautomaten von 93 Fällen im Jahr 2017 auf 78 zurückging, nahmen die Taten in Sachsen-Anhalt weiter zu. Laut Landeskriminalamt von 18 im Jahr 2017 auf 36 im vergangenen Jahr. In diesem Jahr registrierte die Polizei bereits 18 Sprengungen.

Fast alle der 160 Ticketautomaten im Land sind mit Farbpatronen ausgerüstet. „Die blaue Tinte macht das Geld unbrauchbar, es haftet auch an der Kleidung und den Händen“, erklärt Bahnsprecher Holger Auferkamp. Besonders ärgerlich sei es für die Bahn und ihre Kunden, dass ein zerstörter Automat lange außer Betrieb ist und dessen Reparatur bis zu 30.000 Euro kostet.