Magdeburg l Mit einem Wutausbruch des Angeklagten ist am Montag der sogenannte Paten-Prozess gegen den 36-jährigen Libanesen Abd M. fortgesetzt worden.

Zunächst ist alles, wie an den anderen Prozess­tagen seit Anfang Dezember. Die Polizei begleitet schwer bewaffnet mit mehreren Beamten den Angeklagten in den Gerichtssaal. Fünf Justizbeamte sichern die Verhandlung ab. Als Abd M. fotografiert wird, verliert er die Fassung. Der sogenannte Pate schimpft „Lügenpresse“, schreit „Rufmord!“. Sein Bremer Anwalt springt vor den Fotografen und breitet seine Robe weit aus, um jedes weitere Fotografieren zu verhindern. Auf den Hinweis, die Arbeit der Presse zu behindern, sagt er nur: „Verklagen Sie mich doch!“

Abd M. will sich nicht beruhigen. Er schreit, auch noch als das Gericht Platz genommen hat: „Ich bin kein Pate. Ich heiße Abd M. und habe vier Kinder.“ Als „Pate“ ist der Angeklagte im Sommer 2019 erstmals in Polizeikreisen bezeichnet worden. Er soll ein führendes Mitglied der rockerähnlichen Gruppierung AKC gewesen sein. Auf einem seiner Facebookbilder posierte er im Jahr 2015 auch im Bandidos-Shirt. Familiär wird er dem Miri-Clan in Bremen zugerechnet. Abd M. stand schon seit längerer Zeit in Verdacht, mit Drogen im großen Stil gehandelt zu haben. Der 36-Jährige schimpft: „Ich bin in einem KZ, nicht im Gefängnis. Ich bin doch kein Mörder oder Vergewaltiger.“ Die Staatsanwaltschaft hat das nie behauptet. Angeklagt ist Abd M. wegen gewerbsmäßigen und bewaffneten Drogenhandels. Ihm droht eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.

Obwohl das Gericht seit April die Beweisaufnahme schließen will, stellen seine Anwälte immer wieder neue Anträge. Die Vorsitzende Richterin Claudia Methling hat nun eine Frist für weitere Anträge zum 15. Juni gesetzt. Für den „Ausraster“ sprach sie dem Angeklagten am Ende eine Rüge aus. Termine sind bis Mitte Juli festgelegt.