Magdeburg l Beim Prozess vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Magdeburg, bei dem die Tötung eines 69-Jährigen in Biere (Salzlandkreis) verhandelt wird, ging es am zweiten Tag unter anderem um die Frage, ob Bärbel S. die Tatwaffe, ein 22,5 Zentimeter langes Messer, bereits vorsorglich bereitgelegt hatte, um gegebenenfalls gegen ihren aggressiven Mann damit vorzugehen. Was zweifellos bei der Urteilsfindung von großer Bedeutung wäre. Die Angeklagte hatte ausgesagt, dass das Messer auf dem Tisch der Stube, in der sie schlief, als Abendessenbesteck gelegen habe. Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg fragte gestern jedoch hypothetisch: „Kann es vielleicht auch so gewesen sein, dass sie das Messer neben das Sofa gelegt hatten, mit dem Gedanken, ich warte schon auf ihn?“

Die Angeklagte hatte in den frühen Morgenstunden des 24. August 2019 ihren schwer alkoholkranken Ehemann erstochen, der sie zuvor, wie bereits des Öfteren, beschimpft sowie ins Gesicht geschlagen und getreten hatte. Über die ehelichen Verhältnisse der Eltern wurde die 39 Jahre alte Tochter unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugin gehört.

Ihren großen Auftritt hatte am zweiten Prozesstag Rechtmedizinerin Dr. Katja Jachau. Sie stellte in ihrem Gutachten fest, dass das Ehepaar stark alkoholisiert war. Bei Hans-Jürgen S. waren knapp drei Promille, bei der Angeklagten um die zwei Promille festgestellt worden.

Zwei Stiche

Todesursache seien zwei Stiche – acht beziehungsweise 14 Zentimeter tief – in den Brust-Bauch-Bereich gewesen. Dabei seien Leber und Magen verletzt worden. „Das Opfer ist nach innen verblutet“, so die Obduzentin. In Brust- und Bauchraum hätten sich rund 1,6 Liter Blut befunden.

Hans-Jürgen S. sei nicht sofort gestorben. Er habe sich noch ins Schlafzimmer begeben können und sei dort später, möglicherweise erst nach einer Stunde, seinen schweren Verletzungen erlegen. Seine Ehefrau hatte da bereits im Wohnzimmer geschlafen.

Eine bisher nicht völlig geklärte Rolle hat bei der Tat eine Türleiste gespielt. Die Angeklagte hatte ausgesagt, dass sie damit geschlagen wurde. Die Holzlatte war von den Ermittlern in sechs Stücke zerbrochen im Küchenmülleimer gefunden worden.