Magdeburg l Als im Sommer 2018 90 Hektar eines Kiefernwaldes in Brandenburg in der Nähe des Autobahndreiecks Potsdam in Flammen standen, detonierte Munition reihenweise. Die Feuerwehr musste aus Sicherheitsgründen zurückweichen. Am Ende wurden Löschflugzeuge der Bundeswehr angefordert. Ähnliche Situationen gab es auch in der Annaburger Heide im Landkreis Wittenberg und vor einigen Jahren auch in Fischbeck im Landkreis Stendal.

Die Feuerwehr muss in solchen Situationen einen Sicherheitsabstand von mindestens 1000 Metern zum Brandgeschehen halten. Frank Mehr, der Direktor des Institutes für Brand und Katastrophenschutz in Heyrothsberge, erklärt: „Die belasteten Wälder werden von uns nicht betreten. Unsere Sicherheit hat höchste Priorität. Wir warten dann auf das Feuer und versuchen das Ausbreiten der Flammen zu verhindern.“

Wer ist verantwortlich?

Joachim Schulz, Chef des privaten Altmärker Lösch­unternehmens DiBuKa, kennt das Problem auch aus anderen Bundesländern: „Wir haben bei den Einsätzen im Löschpanzer auch schon Detonationen gehört. Zum Glück ist noch nichts passiert.“ Mit seiner schweren Militärtechnik sorgt er vor allem für die Schneisen im Wald, die ein Ausbreiten der Flammen verhindern sollen. Schulz: „Es wäre schon hilfreich zu wissen, wo belastete Gebiete sind.“

Doch das ist oft nicht einfach zu beantworten. Auf eine Anfrage des SPD-Innenexperten Rüdiger Erben antwortete das Bundesfinanzministerium, dass allein beim Bundesforst in Sachsen-Anhalt „108 kampfmittelverdächtige Flächen mit knapp 7000 Hektar Fläche identifiziert wurden“. Für 21 Objekte seien die historischen Recherchen, die für größere Flächen bis zu drei Jahre dauern können, erst abgeschlossen. Allerdings habe man auch 13.700 Hektar aus ehemaliger militärischer Nutzung an das sogenannte Nationale Naturerbe (Land, Nabu-Stiftung und Deutsche Bundesstiftung Umwelt) übergeben. Dies sei also „nicht mehr Verantwortungsbereich des Bundes“.

Laut Erben darf die Verantwortung nicht länger hin und her geschoben werden. „Die Beräumung wird sicher noch Jahrzehnte dauern, doch sie muss endlich angegangen werden“, sagt er. In den nächsten ein bis zwei Jahren müssten dafür die Weichen gestellt werden und der Plan stehen, wie man mit dem tödlichen Erbe umgeht.

Beschilderung nicht zweckgemäß

Walter Metscher, Kreisbrandmeister im Jerichower Land: „Wir haben fünf solcher Flächen allein in unserem Bereich. Diese können ja nicht ewig eingezäunt oder mit Schildern ,Lebensgefahr‘ versehen bleiben.“

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst meldete allein 2018 im Land 453 Fundstellen mit 41 Tonnen Munition.