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Ex-MDR-Moderator Michme spendet für Initiative gegen sexuellen Missbrauch

Mitteldeutscher Rundfunk und Topmoderator gehen getrennte Wege. Die Gründe dafür sind bisher weitgehend unbekannt, der Sender hält sich sehr bedeckt. Verein „Wildwasser“ schreibt Brief an Betroffene sexualisierter Gewalt.

Von Michael Bock Aktualisiert: 14.04.2022, 07:06 • 13.04.2022, 18:29
Ex-MDR-Moderator Stefan Michme
Ex-MDR-Moderator Stefan Michme imago sportfotodienst

Magdeburg  - Im Januar hat der frühere MDR-Topmoderator Stephan Michme eine Spendenaktion für das „Trau-Dich!“-Projekt angeschoben.

Der Musiker versteigerte 50 Shirts meistbietend. Das Geld soll der bundesweiten Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs voraussichtlich am 30. April übergeben werden, teilte Michmes Rechtsanwalt Uwe Bitter  auf Volksstimme-Anfrage mit.

Der bisherige Erlös der Spendenaktion betrage 2223,62 Euro, die sich auf einem anwaltlichen Treuhandkonto befänden. Avisierte Spenden würden noch erwartet, dann solle der Spendenbetrag aufgerundet werden. Eingebunden in die Aktion war „Wildwasser Magdeburg e.V.“. – ein Verein gegen sexualisierte Gewalt. „Wildwasser“ wirkt bei dem „Trau-Dich!“-Projekt nach eigenen Angaben als Fachberatungsstelle mit.

Podcast mit Michme nicht mehr verfügbar

Auf der Internetseite des Vereins stand noch bis zum 12. April ein Podcast Michmes mit Wildwasser-Leiterin Ines Hattermann. Gefragt wurde Anfang Februar unter anderem: „Wo fängt sexualisierte Gewalt an?“

Brief an Betroffene sexualisierter Gewalt

Jetzt ist ein von Ines Hattermann unterschriebener Brief aus dem Februar aufgetaucht, der sich an Betroffene sexualisierter Gewalt richtet. Darin steht unter anderem, es sei eine „nicht seltene Täterstrategie, Schutzstrukturen für Betroffene im Sinne der positiven Selbstdarstellung zu nutzen. Im Falle einer Offenlegung der Gewalt durch die Betroffenen erreicht der Täter so, die öffentliche Meinung zu spalten und kann vorgeben, eine klare Haltung gegen Gewaltausübung einzunehmen.“ Diese Strategie sei den Fachberaterinnen bekannt: „Und dennoch ist es uns passiert, dass wir ohne unser Wissen instrumentalisiert wurden.“

Verein "Wildwasser" lehnt Stellungnahme ab

Der Verein „Wildwasser“ beantwortete eine Volksstimme-Anfrage zu diesem Brief ebenso wenig wie die Frage, ob die Spende angenommen werde. „Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir uns nicht dazu äußern werden“, erklärte der Vorstand.

Der „Mitteldeutsche Rundfunk“ hatte sich Anfang März Knall auf Fall von Michme getrennt. Über die Gründe schweigen sich alle Seiten aus. Zuletzt war ein pikantes Foto aufgetaucht, dass Michme in Umlauf gebracht haben soll.

Dem Landesfrauenrat ist der „Fall Michme“ nicht unbekannt.