Landkreis Harz will Zuschüsse kürzen

Weniger Geld für Feininger-Galerie

Der Landkreis Harz will der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg schrittweise die von ihm gezahlten finanziellen Zuschüsse kürzen. Die Diskussion ist nicht neu, aber am 16. Juni steht nun ein Beschluss im Kreistag an.

Die Feininger-Galerie in Quedlinburg kann wegen der Inzidenzwerte im Landkreis Harz nicht öffnen. Jetzt gibt es auch noch Kürzungspläne für die Finanzierung.
Die Feininger-Galerie in Quedlinburg kann wegen der Inzidenzwerte im Landkreis Harz nicht öffnen. Jetzt gibt es auch noch Kürzungspläne für die Finanzierung. Foto: dpa

Grit Warnat - Quedlinburg

Eigentlich sollte 2021 das Jahr der Lyonel-Feininger-Galerie werden. Das Museum der grafischen Künste in Nachbarschaft zum Schlossberg in Quedlinburg ehrt seinen Namensgeber zu dessen 150. Geburtstag mit einer sehenswerten Ausstellung. Zudem wird die Galerie 35 Jahre alt und erinnert mit Fotografien, wie sich das Museum in den vergangenen Jahrzehnten räumlich neu aufgestellt hat.

Doch zum Feiern ist im Moment wenig Grund. Und das nicht nur, weil die 160 Werke in der „Becoming Feininger“-Schau durch Corona und die Bundes-Notbremse bisher nur kurzzeitig für Besucher zu sehen waren.

Der Landkreis Harz will seine Zuschüsse kürzen. Bisher gibt er jedes Jahr 200?000 Euro für den Betrieb des Museums. Ab 2022 soll dieser Mitfinanzierung sukzessive um 40 000 Euro pro Jahr verringert werden. 2025, so heißt es aus dem Landratsamt, soll es keinen Zuschuss mehr geben.

Der Kreistag soll am 16. Juni entscheiden. Das wäre noch rechtzeitig, um die Finanzierungsvereinbarung vom März 2016 fristgerecht zu kündigen.

Eine Million Euro kostet im Jahr der Betrieb der Feininger-Galerie. Träger ist die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, zu der Schlösser, Burgen und Dome, auch das Kunstmuseum Moritzburg Halle, der Domschatz in Halberstadt sowie die Lyonel-Feininger-Galerie gehören. Das Land ist wichtiger Geldgeber.

Im Kulturministerium in Magdeburg zeigt man wenig Verständnis über die Pläne im Harz. Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU) meint, der Landkreis dürfe sich nicht einfach aus der Finanzierung rausziehen. Er bezeichnet die Feininger-Galerie als einen „Leuchtturm in der Region“. Der Harz, der Tourismus würden profitieren.

Natürlich weiß Schellenberger, dass der Landkreis sehr wohl den Vertrag mit dem Land mit Einhaltung der Fristen aufkündigen kann. Das Angebot an Kunst und Kultur ist schließlich keine Pflicht, sondern freiwillige Aufgabe. Aber der Staatsekretär sagt: „Es gibt eine regionale Verantwortung.“ Man müsse in seine Perlen investieren.

Nach stattgefundenen Gesprächen in Dreierkonstellation – Kulturstaatssekretär, Landrat Thomas Balcerowski und Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch, allesamt CDU, sieht der Staatssekretär den Ball beim Landkreis und der Stadt Quedlinburg. Laut Schellenberger habe Quedlinburg Bereitschaft signalisiert, sich stärker zu beteiligen.

Knackpunkt in der ganzen Diskussion: Der Landkreis zahlt viel, die Stadt Quedlinburg wenig.

Die Welterbestadt mit ihrem Schlossberg und der Stiftskirche gibt 10?000 Euro im Jahr für die Feininger-Galerie. Sie ist eines ihrer touristischen Aushängeschilder.

Landrat Balcerowski, so schrieb die Harzer Volksstimme am 22. April, schwebe vor, dass Quedlinburg den gesamten Kreis-Anteil übernehmen soll. Zitiert wurde er: „Eine Möglichkeit, das zu finanzieren, ist die Kurtaxe.“ Und: Es sei eine Win-win-Situation, „denn die Stadt könnte zugleich den Übernachtungsgästen, die die Kurtaxe entrichten, Rabatte anbieten und so mehr Besucher in die Galerie locken“. Ruch hatte geäußert, dass für Quedlinburg der komplette Betrag nicht machbar sei.

Inwieweit sich Quedlinburg stärker einbringen kann, war gestern aus dem dortigen Rathaus nicht zu erfahren.

Die Diskussionen um die Mitfinanzierung der Feininger-Galerie kommen nicht überraschend. 2019 gab es bereits einen Vorstoß des Landkreises zur Kündigung des Vertrages. Auch damals sollte der Landrat zudem perspektivisch um deutlich geringere Zuschüsse sowohl für die Feininger-Galerie auch für das Kloster Michaelstein verhandeln. Der Landrat war da noch Martin Skiebe (CDU).

Skiebe stand unter enormem Spardruck, auch weil die Kosten für den Nahverkehr aus dem Ruder gelaufen waren. Das Landesverwaltungsamt forderte damals ein Konsolidierungsprogramm. Aber es gab heftige Kritik am Vorhaben, sich aus der Mitfinanzierung der Feininger-Galerie zurückzuziehen. Die Vorlage wurde wieder zurückgenommen. Es blieb bei den Diskussionen um die Mitfinanzierung. „Bereits seit 2019 wurden Gespräche mit der Staatskanzlei in Magdeburg mit dem Ziel geführt, den Zuschuss des Landkreises zukünftig zu reduzieren“, sagt Manuel Slawig, Sprecher der Landkreisverwaltung Harz. Im Juli des vergangenen Jahres habe der Kreistag deshalb dem Landrat ein Verhandlungsmandat gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt zur Verringerung des Finanzierungsanteils des Landkreises sowohl für die Lyonel-Feininger Galerie in Quedlinburg als auch für die Stiftung Kloster Michaelstein in Blankenburg erteilt. Immer sei es um eine geringere finanzielle Belastung für den Landkreis gegangen. Laut Slawig haben die zwischenzeitlichen Verhandlungen „zu keinen für den Landkreis befriedigenden Ergebnissen“ geführt.

Bei der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt läuten längst wieder die Alarmglocken. Dort kennt man die Diskussionen, weiß noch um Landkreis-Kürzungen im Jahr 2011.

Claus Rokahr, Verwaltungsdirektor der Stiftung, spricht von erheblichen Einschnitten, wenn das Papier im Kreistag verabschiedet wird.

Die Stiftung, zwar Träger, aber kein direkter Vertragspartner, kann nur abwarten. Zahlen hat Rokahr noch nicht auf dem Tisch. Aber er weiß, dass bei 90 Prozent Fixkosten wenig Spielraum bleibt. Die Masse des Geldes fließt an solchen Häusern immer in Personal- und Betriebskosten. Die Stiftung will nicht am Personal rütteln, sagt Rokahr. Fünf museale Fachleute sind angestellt. Wo also sparen? Bei Projekten, bei Ausstellungen möglicherweise, sagt der Verwaltungschef.

Die Galerie zählt jährlich um die 15?000 zahlende Besucher. Nach nur kurzer Öffnungszeit jedoch gibt es wieder keinen Einlass. Bei der Stiftung hofft man auf sinkende Inzidenzen. Aber selbst dann ist nur ein Betrieb mit eingeschränkten Gästezahlen möglich. Rokahr: „Die Situation bleibt sehr schwierig.“