Onlinehandel

Amazon fährt hoch im Logistikzentrum bei Magdeburg

Rund 2000 Mitarbeiter will Amazon im Sommer in Sülzetal bei Magdeburg beschäftigen. Ministerpräsident Reiner Haseloff sieht auch deshalb bei seinem Eröffnungsbesuch einen „positiven Ertrag“ für Sachsen-Anhalt. Kritik kommt von der Gewerkschaft Verdi.

Von Johannes Vetter
Im Logistikzentrum  Sülzetal lagert Amazon etwa vier Millionen Artikel auf einer Fläche von  100.000 Quadratmetern.
Im Logistikzentrum Sülzetal lagert Amazon etwa vier Millionen Artikel auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern. Johannes Vetter

Sülzetal - Der Onlinehandel zählt zu den Krisengewinnern. Das wird auch im Sülzetaler Ortsteil Osterweddingen bei Magdeburg deutlich. Dort fährt der Onlineversandhändler Amazon seit Sommer 2020 den Betrieb in seinem Logistikzentrum hoch, zuletzt etwas stärker als ursprünglich geplant.

Rund 1900 Menschen arbeiten nach Angaben des Unternehmens bereits dort, im Sommer sollen es rund 2000 sein. Damit ist der Onlineversandhändler einer der größten Arbeitgeber der Region Magdeburg.

Von einem „positiven Ertrag“ für Sachsen-Anhalt sprach Ministerpräsident Reiner Haseloff bei seinem Eröffnungsbesuch am vergangenen Mittwoch (12. Mai 2021). Er verwies auf Angaben von Amazon, wonach am Standort in Sülzetal etwa 500 Menschen einen neuen Job bekommen hätten, die zuvor arbeitslos gewesen seien. Im neuen Logistikzentrum sieht Haseloff eine „Beschäftigungsinsel“.

Gewerkschaft Verdi organsiert sich am Amazon-Standort in Osterweddingen

So positive Worte für Amazon gab es in den vergangenen Jahren nicht immer von Politikern der Region. Der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper stand der Ansiedlung vor den Toren seiner Stadt anfänglich kritisch gegenüber. Er hätte sich lieber ein Unternehmen mit gut bezahlten Industriearbeitsplätzen gewünscht. Amazon wirbt derzeit in sozialen Medien mit einem Bruttostundenlohn von 11,87 Euro pro Stunde um neue Mitarbeiter.

Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist dieser Stundenlohn zu wenig. Schon seit längerem fordert die Gewerkschaft Amazon zu Tarifverhandlungen auf, bislang ohne Erfolg. Nach Tarifvertrag würden die Beschäftigten der untersten Lohngruppe 12,83 Euro pro Stunde erhalten, betont Torsten Furgol, Gewerkschaftssekretär für den Einzel- und Versandhandel in Sachsen-Anhalt.

Zuletzt hatte Verdi zu Streiks in anderen Logistikzentren von Amazon aufgerufen. Am Standort in Sülzetal sei die Gewerkschaft noch dabei, sich zu organisieren, berichtet Furgol.

Amazon zahlt Gewerbesteuer in Sülzetal

Begleitet wurde Haseloff beim Eröffnungsbesuch von CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und Sülzetals Bürgermeister Jörg Methner (SPD). Methner hatte zuletzt offen seinen Unmut darüber geäußert, dass viele Unternehmen im Gewerbepark Sülzetal aufgrund der Steuergesetzgebung keine Gewerbesteuer an seine Gemeinde zahlten. Amazon gehört allerdings nicht zu ihnen. Der US-Konzern hat in Sülzetal eine Gesellschaft gegründet. Die damit anfallende jährliche Gewerbesteuer für die Gemeinde liegt laut Methner vorerst im sechsstelligen Bereich.

Aktuell arbeiten etwa 9000 Menschen bei mehr als 150 Unternehmen im Gewerbepark Sülzetal. Damit sich die Zahl der Gewerbesteuerzahler erhöht, drängt Methner auf Änderungen der Steuergesetze. Dafür warb auch Merz bei seinem Besuch in Sülzetal. Er plädiere für eine Unternehmenssteuerreform, mit der „insbesondere die Gemeinden“ gestärkt würden. Ein Konzept dazu habe er bereits ausgearbeitet. Er wolle vorschlagen, dass es ins CDU-Wahlprogramm aufgenommen werde.

Auch Haseloff betonte, dass er sich im Bundesrat zuletzt für entsprechende Änderungen eingesetzt habe. „Dort, wo die Wertschöpfung entsteht, muss das Geld auch bleiben“, sagte der Ministerpräsident.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (links), Amazon-Standortleiter Patrick Geiger und  Sülzetals Bürgermeister Jörg Methner (rechts) vor einem Automaten im Logistikzentrum Sülzetal, an dem Mitarbeiter Warnwesten und Arbeitshandschuhe erhalten.
Ministerpräsident Reiner Haseloff (links), Amazon-Standortleiter Patrick Geiger und Sülzetals Bürgermeister Jörg Methner (rechts) vor einem Automaten im Logistikzentrum Sülzetal, an dem Mitarbeiter Warnwesten und Arbeitshandschuhe erhalten.
Johannes Vetter