Lebensmittel

Leckereien “Made in Sachsen-Anhalt” - Ein milliardenschweres Phänomen

Bambina-Schokolade, Sekt von Rotkäppchen oder Halberstädter Würstchen. Produkte aus Sachsen-Anhalt findet man inzwischen in Regalen in fast ganz Deutschland. Manche Marken kämpften sich bis zum Marktführer empor. Ein wirtschaftlich besonders wichtiger Zweig mit Milliarden-Umsätzen. Wie lässt sich dieser Erfolg erklären?

Von Nico Esche
Zetti, Halloren (im Bild), Rotkäppchen und viele weitere Marken aus Sachsen-Anhalt erfreuen sich in allen Teilen Deutschlands großer Beliebtheit. Foto: picture alliance / Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa | Hendrik Schmidt

Magdeburg - Sie prickeln im Bauch, legen sich süß auf Zungen oder knacken berauschend: Lebensmittel-Produkte “Made in Sachsen-Anhalt”. Damals wie heute werden Süßigkeiten-Schubladen oder Vorratskeller von Zetti Knusperflocken und Rotkäppchen Sekt gefüllt. Viele Marken gelten über die Landesgrenzen hinaus als Delikatessen und landen in vielen Einkaufswagen, sind teils ausgezeichnet.

Nicht zu Unrecht könnte man meinen. Manche Marken bauen auf teils Jahrhunderte alte Traditionen bei der Herstellung auf - manche Rezepturen haben sich über die Jahre bewährt. Nicht alle überlebten die Wende-Zeit. Wer sich finanziell von dieser Epoche nicht umwerfen ließ, erlebte in den vergangenen Jahrzehnten blühende Zeiten.

Selbstbewusst gen Westen

Fielen die ersten Gehversuche in Richtung Bundesrepublik teils noch zaghaft aus, wie bei dem Pralinenhersteller Halloren, ist nun in beinah jedem Supermarkt die Zweikammer-Spezialität aus Halle erhältlich.

Ähnlich selbstbewusst wirtschaftete die Sektmarke Rotkäppchen. Der Schaumweinhersteller aus Freyburg/Unstrut darf sich nun als Marktführer in Deutschland bezeichnen. Inzwischen verleibte sich Rotkäppchen die Marken Mumm, Jules Mumm und MM ein und wuchs dadurch noch mehr.

Sieben Milliarden Euro Umsatz

Für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt zeigt sich diese Wertigkeit von Produkten aus dem Land als besonders wichtig. Immerhin ist die Ernährungswirtschaft, mit ihren rund 20.000 Beschäftigten in Sachsen-Anhalt, der größte Arbeitgeber im Land. Jahresumsatz: rund sieben Milliarden Euro. Gemessen an den neuen Ländern, klettert Sachsen-Anhalt mit diesen Zahlen einsam an die Spitze.

Ein Großteil der Unternehmen gehören zum Mittelstand, sagt Thomas Lange, Vorsitzender der Agrarmaketinggesellschaft. “Sie bekennen sich zu den Wurzeln, setzen auf Regionalität und gehen dennoch mit der Zeit.” Damit gemeint: ein Internetauftritt, Newsletter, Online-Shops. Sie gehören heute standardmäßig zum Portfolio von Unternehmen. Die meisten aus Sachsen-Anhalt können da problemlos mithalten.

Ob nun aus Mitteldeutschland oder dem Rest der Republik - das Geld fließt. Ein großer Absatzmarkt zeigt sich so auch bei Getränkeherstellern aus Sachsen-Anhalt. Generell, so mag man meinen, scheinen Sachsen-Anhalter ein besonders gutes Händchen für Getränke zu haben. Der 1924 in Magdeburg-Buckau gegründete Abtshof destilliert noch heute Liköre; auf keiner Feier von “hippen” Großstädtern fehlen darf, ist der “Absinth 66”.

Für den Kaffeegenuss sorgt das Unternehmen Röstfein, am anderen Ende der Landeshauptstadt. Dieser findet sich zumindest noch in Regionen, die an Sachsen-Anhalt grenzen. In allen Winkeln Deutschlands erhältlich ist Hasseröder aus Wernigerode, das in der Kategorie der Premium-Pils-Marken zu den Marktführern zählt.

Beinah überall in den Regalen zu finden

Salzwedeler Baumkuchen, Kathi-Backmischungen aus Halle oder "Bambina"-Schokolade des Süßwarenherstellers Zetti: alles Marken, die auch in den alten Bundesländer zu finden sind und sich dort in den Regalen halten können. Gleiches gilt für Speisequark der Firma frischli; der Slogan “Leckermäulchen tut Leckermäulchen gut” brannte sich in das kollektive Gedächtnis von Kindern ein.

Der Erfolg dieser Produkte, die den umsatzstärksten Wirtschaftszweig im Land hervorgebracht haben, kann viele Gründe haben. Das mag an den besonders guten Böden im Land liegen - man denke zum Beispiel an die fruchtbaren Börde-Böden. Vielleicht aber - und das ist der wohl romantische Wunsch dahinter - liegt es einfach an der Liebe zum Produkt. In guten, wie in schweren Zeiten.