Medizintechnik

Schönebecker Unternehmen in Corona-Zeiten auf der Überholspur

Ambulanz Mobile ist in Deutschland eine Branchengröße. Das Unternehmen aus Schönebeck ist spezialisiert auf den Ausbau von Kranken- und Rettungstransportwagen. Im vergangenen Corona-Jahr konnte man den Umsatz erneut nach oben schrauben. Nun folgen Investitionen in Millionenhöhe.

Von Massimo Rogacki 02.06.2021, 00:39 • Aktualisiert: 02.06.2021, 05:33
Geschäftsführer Hans-Jürgen Schwarz (r.) und Sohn Frank Lundershausen in  einer Halle von Ambulanz Mobile in Schönebeck.
Geschäftsführer Hans-Jürgen Schwarz (r.) und Sohn Frank Lundershausen in einer Halle von Ambulanz Mobile in Schönebeck. Massimo Rogacki

Schönebeck - In der Auslieferungshalle von Ambulanz Mobile in Schönebeck ist mächtig Betrieb. 14 Fahrzeuge werden allein an diesem Tag an Kunden übergeben. Sie werden an ihren Einsatzorten in der gesamten Republik Kranke, Notfallpatienten und Behinderte transportieren.

Beim Ambulanzfahrzeughersteller laufen die Geschäfte hervorragend. 2020 verbuchte das Unternehmen aus dem Salzlandkreis einen Umsatz von 61,4 Millionen Euro. Eine Steigerung von knapp fünf Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Rund 1400 Fahrzeuge wurden 2020 ausgebaut und ausgeliefert. „Trotz Problemen bei der Beschaffung von Materialien konnten wir die Produktion und die Leistung steigern“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Schwarz. Vor allem der Auftragseingang bei den Rettungswagen habe sich in der Corona-Pandemie erhöht.

Der Standort in Schönebeck soll nun wachsen. In ein Technologie-Zentrum, in dem Forschung und Entwicklung angesiedelt werden, investiert Ambulanz Mobile mehr als sieben Millionen Euro. Ein dreigeschossiges Büro- und Sozialgebäude mit 300 Quadratmetern Fläche und eine neue Betriebsstätte mit einer Produktionshalle mit 3000 Quadratmetern Fläche entstehen.

Neben den neuen Gebäuden wird ein Maschinen- und Ausrüstungspark hochgezogen. Neben hochmoderner Computertechnik umfasst der auch große 3-D-Drucker. Das Technologie-Zentrum soll Ende kommenden Jahres fertiggestellt sein. 30 neue Mitarbeiter – vor allem Informatiker, Entwickler und Spezialisten für die Steuerung von Werkzeugmaschinen – werden gesucht.

3-D-Konstruktion ist im Kommen

Entwickelt und erprobt werden sollen alternative Materialien zum Bau und zur Ausstattung der Fahrzeuge.

Zudem soll die 3-D-Kon-struktion ausgeweitet werden. „Kurz gesagt: Wir wollen neue Materialien und neue Stoffe – insbesondere unter dem Aspekt Nachhaltigkeit – erforschen und entwickeln“, sagt Geschäftsführer Schwarz.

Indem künftig auch selbst Teile produziert werden, möchte das Unternehmen unabhängiger von Lieferketten werden. Eine der Lehren aus Corona-Zeiten, in denen auch Ambulanz Mobile Engpässe in den Griff bekommen musste. Die Entwicklungen im Pandemie-Jahr verstand das 1991 gegründete Unternehmen als Impuls, um gezielt zukunftsfähige Projekte anzustoßen.

Ein Beispiel: Die Ausweitung der Telemedizin in den Rettungswagen. Anspruch dabei: Die Kommunikation zwischen Notarzt, Rettungspersonal und Patienten zu vereinfachen.

Gemeinsam mit der Truck- und Van-Sparte von Daimler haben die Schönebecker zudem den ersten vollelektrischen Krankenwagen entwickelt. Seit einigen Wochen wird der bei einem Rettungsdienst in der Praxis erprobt.

Eine weitere Neuentwicklung ist die Luftreinigungsanlage für den Patientenraum der großen Rettungswagen. Die Bakterien- und Virenbelastung für die Besatzung und den Patienten im Rettungswagen soll auf diesem Wege so gering wie möglich gehalten werden. Ebenfalls neu ist eine ultraflache und -leichte Blaulichtanlage. Die soll Energie sparen. Die Anlage wiegt nur noch die Hälfte des Vorgängermodells – ist aber deutlich effektiver.

Nicht zuletzt entwickelt Ambulanz Mobile inzwischen intensiv eigene Software-Lösungen für seine Kunden.

Medizintechnik ist ein Krisengewinner

Die Medizintechnikindustrie hatte in Corona-Zeiten generell weniger Einbußen zu beklagen als andere Branchen. Ein Umsatz von 30,8 Milliarden Euro steht für 2020 zu Buche. Ein Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zu 2019.

„Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gewinnen auch in der Medizintechnik rasant an Bedeutung“, sagt Beate Sopart. Bei der Commerzbank Magdeburg ist sie verantwortlich für das Firmenkundengeschäft. Unternehmen wie Ambulanz Mobile seien zunehmend gefragt, klimafreundliche, innovative Lösungen für ihre Kunden zu entwickeln und dafür strategisch zukunftsorientiert in Forschung und Entwicklung zu investieren, sagt Sopart.

30 Jahre Firmengründung – auch dieser Termin steht für Ambulanz Mobile in diesem Jahr noch an. Über 25 000 Fahrzeuge seien seit 1991 in die ganze Welt ausgeliefert worden, sagt Vertriebschef Frank Lundershausen. Der 41-Jährige ist der Sohn von Firmengründer Schwarz. Im kommenden Jahr wird er in die Geschäftsführung berufen.

Mit 66 Jahren will sich Hans-Jürgen Schwarz aber noch längst nicht aus dem Unternehmen zurückziehen.

Wohin Ambulanz Mobile in Zukunft steuert? Ideen hat er noch zuhauf im Kopf. „Ich denke, wir sind gut gerüstet“, so Schwarz.