Umspannwerk geht mit Knall ans Netz

In Magdeburg hat Stromversorger E.ON Avacon das zweite 110-kV-Umspannwerk im Norden Sachsen-Anhalts in Betrieb genommen. Ziel ist es, das Hochspannungsnetz fit für dezentrale Einspeisungen zu machen.

Magdeburg l Mit einem lautstarkem Stromstoß-Knall im Relais, den E.ON Avacon-Vorstand Matthias Herzog gemeinsam mit Gästen per Knopfdruck auslöste, ging gestern das Umspannwerk im Norden von Magdeburg in Betrieb. 6,5 Millionen Euro hat der Stromversorger in den Hochspannungsknoten am Glindenberger Weg investiert. Gebaut wurde kein herkömmliches Umspannwerk, was Hoch- in Mittelspannung (10-30 kV) transformiert, sondern ein "Rangierbahnhof im 110-KV-Hochspannungsnetz", wie es Projektleiterin Galina Kraatz bildhaft beschreibt.

"Hier kommt der Strom aus den ostelbischen Gebieten an. Dort erzeugen viele Windkraftanlagen Strom", erklärt sie. Je nachdem, wie viel Strom windabhängig fließt, kann er nach Magdeburg weitergereicht oder direkt zur Weiterleitung in das 380-kV-Netz nach Wolmirstedt umgeleitet werden. Vom Windrad direkt in das europäische Verbundnetz. Da in Sachsen-Anhalt mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, ist die Stabilisierung dieser Einspeisung wichtig.

Mit ostelbischen Gebieten sind Möckern/Körbelitz, Parey/Genthin und Burg gemeint. Für diese Regionen gibt es im Umspannwerk vier Leitungsfelder. Zwei weitere Felder sorgen für die Anbindung an das Magdeburger Stadtnetz, und zwei Felder sind der Anbindung vom Hochspannungsknoten Wolmirstedt vorbehalten. Insgesamt gehören zur Ausstattung des neuen Umspannwerkes acht Leitungsfelder, eine Kupplung, zwei Sammelschienenfelder, sowie ein Betriebsgebäude und zwei Relaishäuser.

Anlage wird aus Salzgitterferngesteuert

Mitarbeiter arbeiten vor Ort nur im Wartungsfall. Gesteuert wird das Umspannwerk von der E.ON Avacon-Schaltzentrale in Salzgitter (Niedersachsen) aus. Das neue Werk steht etwas abgelegen neben einem Schrotthandel in unmittelbarer Nähe des Verbindungskanales zwischen Elbe und Mittellandkanal im Industriegebiet Magdeburg-Rothensee. Es ist durch hohe Zäune mit Stacheldrahtaufbauten gesichert.

"Würde jemand nur in einen Meter an die 110-kV-Leitungen herankommen, könnte ein Lichtbogen entstehen. Dann wäre von dem Eindringling nicht viel mehr als ein Häufchen Asche übrig", so die Projektleiterin. Das Werk ist in hochgestellter Bauweise errichtet. Stromführende Leitungen sind fünf Meter hoch angebracht, damit sich Wartungsfahrzeuge in der Anlage frei bewegen können. Für das Magdeburger Industriegebiet ist das neue Umspannwerk kaum von Bedeutung. Die Anlieger dort werden von den Städtischen Werken über ein knapp fünf Kilometer entfernt gelegenes Mittelspannungsumspannwerk versorgt.

Bernd Müller, zuständig für die übergeordnete Planung von Umspannwerken im E.ON Avacon-Netz: "Das hier ist kein gewöhnliches Umspannwerk. Hier bleibt der Strom im Hochspannungsbereich." Dadurch erreicht das Werk eine Aufnahmekapazität von 4000 Ampere. Normale Umspannwerke kommen auf 1250 Ampere. Müller: "Wir haben bisher erst einen solchen Hochspannungsknoten mit Netzbetreiber 50 Hertz Transmission in Stendal-West gebaut. Nach Magdeburg soll in Förderstedt bis 2015 noch ein drittes Umspannwerk dieser Art hinzukommen." E.ON Avacon betreibt daneben noch knapp 50 herkömmliche Umspannwerke. Hinzu kommen etwa 20 Anlagen von dezen-tralen Stromerzeugern in Sachsen-Anhalt. 35 Umspannwerke hat der Stromversorger seit der Jahrtausendwende neu gebaut oder modernisiert. 1,5 Milliarden Euro investierte E.ON Avacon seither nach eigenen Angaben in den Netz- und Anlagenausbau.