Magdeburg l Am heutigen Donnerstag wird das Urteil gegen ein Mitglied der Bandidos vor dem Magdeburger Landgericht erwartet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen Drogenhandel vor. Gemeinsam mit einem Kosovo-Albaner hatte er versucht, an zwei verdeckt arbeitende Polizeibeamte elf Kilogramm Drogen im Wert von 20.000 Euro zu verkaufen. In einer Wohnung im Jerichower Land entdeckten die Ermittler später noch eine Pumpgun, 88 Patronen und 800 Gramm Kokain sowie fünf Kilogramm Marihuana.

Sowohl für die Bandidos als auch für die Hells Angels mit ihren Unterstützern gehört der Rauschgifthandel neben Rotlicht- und Türsteher­geschäften oft zum Betätigungsfeld. „Vor allem die jeweiligen Unterstützerclubs erledigen nach unseren Erkenntnissen die Basisarbeit für die Motorradclubs“, erklärt LKA-Sprecher Andreas von Koß. Doch offene Ausfahrten gibt es schon lange nicht mehr. Die Rockerszene ist in der Öffentlichkeit, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, kaum noch erkennbar.

Rocker halten sich an Verbot

Das LKA führt diese Entwicklung auf das seit März geltende Kuttenverbot im Rahmen des von der Bundesregierung verschärften Vereinsgesetzes zurück. Mitglieder bestimmter Motorradgangs dürfen seitdem nicht mehr ihre typischen Abzeichen an der Kutte in der Öffentlichkeit tragen, wenn eine einzelne Abteilung ihres Vereins verboten ist. So dürfen die Rocker zum Beispiel weder den geflügelten Totenkopf (Hells Angels) noch den „Fat Mexican“ samt Machete und Colt (Bandidos) zeigen.

Andreas von Koß: „Die Clubs halten sich aber daran und haben alle von außen sichtbaren Symbole abgebaut.“ Auch die Kuttenabzeichen werden so nicht mehr getragen.

Dafür sollen die Rocker, zum Beispiel die Hells Angels in der Altmark, inzwischen rote Trainingsjacken mit weißen Streifen tragen. Es sind die Farben des Clubs. Die Bandidos tragen die nicht unter das Verbot fallende Abkürzung „BMC“. Sie steht für Bandidos-Motorrad-Club. Auch einige Umbenennungen habe es gegeben. Die traditionellen Unterstützer „Red Devils“ heißen jetzt „Motorcycle Club 184“. Die Zahlen 18 und 4 sollen für die Buchstaben R und D – als Abkürzung für Red Devils – stehen.

Die Outlaw-Rockergruppen fühlen sich offenbar zu Unrecht eingeschränkt: So demonstrierten Anfang September dieses Jahres 460 Sympathisanten der Hells Angels aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin gegen das Verbot ihrer Vereinsabzeichen. Die Rocker hatten auch angekündigt, Verfassungsbeschwerde einzulegen.

Während es in anderen Bundesländern wesentlich mehr Outlaw-Motorradclubs gibt, haben seit etwa 2004 im Wesentlichen die Hells Angels und die Bandidos Sachsen-Anhalt unter sich aufgeteilt. Im Norden des Landes dominieren die Hell Angels mit ihren Unterstützer-Clubs.

Bandidos in Börde und Harz dominant

In der Börde und im Harz sind laut LKA die Bandidos und ihre Unterstützer dominant. In Magdeburg gibt es beide Rockerclubs, wobei sich die Hells Angels mit ihrem HAMC Magdeburg aber an die südlichen Tore der Stadt nach Schönebeck zurückgezogen haben. Sie hatten zuvor auf einem Gelände in der Nähe des Hauptbahnhofes und in einem Café am Hasselbachplatz ihren Treff.

Nach einem Prozess gegen drei Rockerbosse der Hells Angels im Juni vergangenen Jahres hat der Charter seine Auflösung bekanntgegeben. Nach Erkenntnissen des LKA zog dieser aber nur nach Schönebeck um.

Im Süden des Landes gibt es neben Untertützerclubs der Hells Angels in Halle auch einen Bandidos Chapter (eine Art Ortsgruppe) an der Saale und die Underdogs. Dies ist eine rockerähnliche Gruppierung. Das Symbol des Clubs ist der Kopf eines Kampfhundes sowie die Zahl „21“, die für den 21. Buchstaben des Alphabets – das „U“ – steht. Mehrere Mitglieder des Clubs standen bereits in bewaffneten Auseinandersetzungen mit anderen Motorradclubs. Ihnen wird auch eine Nähe zur Neonazi-Szene und den Ultras des Fußballclubs in Halle nachgesagt.

Nach vorsichtigen Schätzungen haben die sogenannten Outlaw-Motorradclubs in Sachsen-Anhalt etwa 300 Mitglieder.