Wörlitz l Ein bisschen wie zu Hause gefühlt haben, muss sich der britische Thronfolger Charles, nachdem er am Wörlitzer Schloss vorgefahren war. Wurde doch der Park, der es umgibt, ab 1769 auf Veranlassung des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau im Stil eines englischen Landschaftsgartens eingerichtet.

„Royal Highness“, wie die korrekte Anrede für den 70-Jährigen lautet (die vollständige Anrede von Prinz Charles bringt es auf beeindruckende 107 Wörter), wurde von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz vor den vier Säulen des Gründungsbaus des Deutschen Klassizismus begrüßt. „Ein warmes Wilkommen“, sagt Haseloff, der sich sichtlich freute, dass der Prinz sich Zeit für seinen erste Sachsen-Anhalt-Besuch genommen hat. Leuchtende Augen, so Botschaftskreise, habe Charles gehabt, als er von seinem Trip in den Park berichtete.

Vor der britischen, deutschen und der Flagge Sachsen-Anhalts hatten sich schon Stunden zuvor viele Schaulustige versammelt. Fähnchen schwenkend und Beifall klatschend. Einige waren extra angereist, viele waren Tagesgäste, die vom Besuchs Charles überrascht wurden. Eine Frau aus Helmstedt sagte: „Ich bin mit einer Reisegruppe hier. Wir wollten eigentlich schon kurz nach Mittag wieder los. Aber nun warten wir noch.“ Ein Magdeburger hat seine konkrete Meinung zur Monarchie: „Schade, dass sie in Deutschland abgeschafft ist.“

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Prinz Charles, der ohne Ehefrau Camilla den Abstecher nach Sachsen-Anhalt gemacht hatte (laut Botschaft: Ein Ehepaar muss nicht immer alles gemeinsam machen“) stieg nach dem „Hallo“ in das Boot „Johann Leopold Schoch“, benannt nach dem Haus- und Hofgärtner des Fürsten, und ließ sich von Robert Krüger auf die andere Seeseite schippern. Der 33-Jährige hatte die Verlosung unter fünf Kollegen gewonnen, die auch mal einen Blaublüter im Boot haben wollten. „Na klar ist das heute etwas Besonderes“, sagte er der Volksstimme. „Aber anders als sonst gebe ich mich nicht. Ich bin wie immer und fahre auch genau so vorsichtig wie mit anderen Gästen.“ Und wenn der Prinz eine Frage habe, sitze ja seine Direktorin mit im Boot.

Bei Nieselregen und Wind –very british – als Erinnerung an seinen Besuch in Wörlitz und mit einem Wink in Richtung des jüngsten royalen Enkels, Archie, überreicht Haseloff dem Prinzen eine Deutsche Stiel­eiche – einen „Babybaum“. Aus dem Saatgut eines 500 Jahre alten Park-Baums (Haseloff: „Die hat schon Luther gesehen“), umwunden mit einem grünen Schleife. Haseloff: „Auf weitere gute Beziehungen zum Land Sachsen Anhalt, als Erinnerung an diesen schönen Tag und verbunden mit dem Wunsch, dass Sie uns als Schirmherr erhalten bleiben.“ Auch nach dem Brexit sei die Kultur beider Staaten, wozu das Gartenreich gehöre, eine Klammer, so Sachsen-Anhalts Regierungschef, der für diesen Satz ein freundliches Lächeln erntete.

Der Prinz mit dem grünen Daumen, der sich seit Jahren für Natur und Umwelt engagiert, ließ sich bei seinem Parkbesuch vom Gärtner Sebastian Doil die Gartenanlage mit den außergewöhnlichen Pflanzen erklären.

Als Höhepunkt seines Besuchs pflanzte Charles dann in Schoch‘s Garten auf der anderen Seeseite einen etwa fünf Meter hohen Laubbaum, eine Mehlbeere, die unter parkhistorischen Gesichtspunkten ausgewählt worden war.

Nach der Fährfahrt, zurück auf die Schlossseite, drückte er den dort wartenden zahlreichen Parkbesuchern noch einmal die Hände.