Magdeburg l Sonniges Frühjahr, Rekordsommer, goldener Herbst. Schönes Wetter von April bis Anfang November. Das gibt es nur selten. 2018 war so ein Jahr. Es war ein extremes Wetterjahr. Bestens für Urlauber, Gärtner, Winzer, Schwimmbad-Betreiber und Kneiper. Eine Katastrophe für Bauern, Waldbesitzer und Binnenschiffer.

Vor allem der Sommer wird als Jahrhundert-Sommer in Erinnerung bleiben. Er brach alle Rekorde. Die Monate Juni, Juli und August waren in Summe die heißesten, trockensten und sonnigsten seit 1881. Am 31. Juli wurde Sachsen-Anhalts Temperaturrekord geknackt: In Bernburg wurde es 39,5 Grad heiß. Selbst in vielen Nächten war es wärmer als an Tagen manch verregneter Sommer. Am letzten Julitag hatten die Magdeburger um Mitternacht noch mollige 29 Grad Celsius.

Einer der heißesten Sommer

Das schöne Wetter hielt an. Der Herbst gehörte zu den drei trockensten, vier sonnigsten und vier wärmsten seit 1881.

Bilder

In der Altmark haben Bauern auf ihren Äckern tiefe Löcher gegraben. Auf der Suche nach Wasser. „Bis 1,80 Meter ist null“ sagt Erik Hecht vom Landesbauernverband. „Ab 2,50 Meter kam die erste Feuchtigkeit.“ Selbst wenn es jetzt im Dezember etwas öfter regnet, bringt das so gut wie gar nichts. „Wenn die Wasserspeicher in den Wintermonaten bis Februar nicht aufgefüllt werden, wird das nächste Jahr katastrophal.“ Bereits jetzt ist klar, dass es deutlich weniger Raps geben wird, weil jetzt vielerorts die Saat nicht aufgeht.

Dürre als Naturkatastrophe

Die Landesregierung klassifizierte bereits die diesjährige Dürre als Naturkatastrophe. Bauern pflügten einen Teil der Zuckerrüben wieder unter, weil die Früchte jämmerlich klein geblieben waren. Die Ernte-Einbußen variierten von 60 Prozent (Ackerbohnen) bis 25 Prozent (Winterweizen). Beim Heu fehlte die Hälfte. 750 Anträge auf Dürrehilfen sind bei Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) eingegangen. Bislang wurde gut 16 Millionen Euro ausgezahlt.

Wie wird das Wetter nächstes Jahr? Das weiß heute noch niemand. Aber heiße, trockene Sommer erwarten Wetterkundler und Klimaforscher künftig häufiger. Eine mögliche Ursache liegt weit im Norden. Das Eis in der Arktis geht zurück, weil seit einigen Jahren in den Sommern deutlich mehr davon schmilzt als früher. Maßen Forscher in den Spätsommern der 80er Jahre noch gut 15 000 Kubikkilometer, so ist es seit 2010 meist nur noch etwa ein Drittel davon. Das weiße Eis reflektiert Sonnenstrahlen – verschwindet es, lässt dieser Effekt nach und es wird wärmer.

Eisschmelze hat Folgen für Sommer

Viele Experten erwarten, dass sich die Eisschmelze auch auf unsere Sommer auswirkt: Wird es im hohen Norden wärmer, lassen die Westwinde nach. Diese pusten immer wieder Tiefs nach Deutschland und sorgen damit für den typisch deutschen, wechselhaften Sommer. Schwächelt die Westströmung, können sich etwa Russland-Hochs ungestört ausbreiten und über viele Wochen halten. Wie in diesem Sommer.

Temperaturtreiber ist nach Auffassung der meisten Wissenschaftler zudem die wachsende Konzentration von Klimagasen wie Kohlendioxid und Methan.