Magdeburg l Die dreispurige Bundesstraße 6 ist ein wichtiger Verbinder zwischen den Autobahnen A 14 und A 9. Eine gut zehn Kilomter große Lücke muss noch geschlossen werden. 2015 stach Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) den ersten Spaten in die Erde und verkündete: 2018 rollt der Verkehr. Doch erst kamen Kröten in die Quere. Und nun eine Klage. 2025 soll die Straße nun fertig sein. Wenn überhaupt.

Rückblick: 2016, ein Jahr nach Baustart, schlug die Naturschutzbehörde des Landkreises Alarm: Lurche querten plötzlich das Areal. 25 000 Tiere wurden gezählt. In der Planungszeit war niemandem aufgefallen, dass hier eine Wanderroute die Trasse der künftigen Schnellstraße quert. Knoblauch- und Erdkröte sind streng geschützt. Zudem: Auch für Autofahrer wäre es nicht gut, Tausende Tiere plattzu fahren. Also musste umgeplant werden:

l Die Straße wird anderthalb Meter angehoben.

l Alle 50 bis 75 Meter werden Krötentunnel eingezogen: 229 Röhren insgesamt.

l Neue Grundstücke werden erworben, da das Bauwerk auch breiter wird.

l Die Kosten klettern von 50 auf 75 Millionen Euro

2020 hatten die Planer alle Papiere fertig und legten sie aus. Die Klagefrist endete am 18. September. Gestern kam Nachricht vom Bundesverwaltungsgericht Leipzig: Am 16. September ist eine Klage eingegangen. Vom Umweltverband BUND.

Warum? Weil sich zwei Behörden streiten. Die Lage ist bizarr: Die Planer der Landesstraßenbaubehörde hatten wegen der vielen Kröten zusätzliche Feuchtgebiete vorgesehen. Dafür müssten Bauern Äcker hergeben. Landwirte beschwerten sich. Mit Erfolg: Eine andere Behörde, nämlich die Baugenehmiger im Landesverwaltungsamt Halle, strich die von den Straßenplanern vorgesehenen zusätzlichen Feuchtgebiete aus den Unterlagen heraus. Grund: Die Vorhaben seien „einseitig fokussiert auf den Artenschutz und stellen die Interessen der Landwirte und privaten Grundstückseigentümer in unzulässiger Weise hintan“. So stand es im öffentlich ausgelegten Beschluss. Den Bauern gefiel‘s. Den Umweltschützern nicht. „Das ist eine Rolle rückwärts“, schimpft BUND-Landeschef Ralf Meyer. „Wir haben nichts gegen die Straße. Und was die Baubehörde ursprünglich geplant hat, ist löblich. Aber wenn jetzt der Artenschutz torpediert wird, gehen wir gerichtlich dagegen vor.“

Im Verkehrsministerium ist man unglücklich. Peter Mennicke, Sprecher des Verkehrsministers, sagt zur Klage: „Das ist sehr bedauerlich.“ Eine weitere zeitliche Verzögerung sei nicht auszuschließen. Eine weitere Verteuerung des Vorhabens auch nicht.

Die neue Straße ist bis Köthen bereits befahrbar. Auch der Anschluss an die Autobahn A 9 ist fertig. Nur das Zehn-Kilomter-Stück dazwischen wird und wird nicht fertig.

Einen Lichtblick gibt es: Die Klage entfaltet keine aufschiebende Wirkung. Das heißt: Ausschreibungen können starten. Und erste Arbeiten auch – allerdings nicht an der Straße, sondern beim „Einrichten erster Biotope“, wie es aus dem Ministerium heißt. Meinung