Magdeburg l Es wird früher dunkler, die Blätter an den Bäumen verfärben sich, die Zeitumstellung naht. Herbstfans ahnen, was jetzt kommt: Die Pilzsaison ist in vollem Gange. Das weiß auch Martin Groß. Er ist Vorsitzender des Landesverbandes der Pilzsachverständiger in Sachsen-Anhalt e.V. (LVPS). Zu ihm kommen Leute – im Idealfall mit vollen Körben – und wollen wissen, was genau sie da gesammelt haben und ob die Ausbeute überhaupt essbar ist. Gar nicht so einfach: „Alleine in Europa gibt es um die 5000 Großpilzarten“, erklärt Martin Groß. Doch wo genau finden Sammler in Sachsen-Anhalt die Pilze überhaupt? „Ein echter Pilzfreund verrät seine Fundorte selbstverständlich nicht“, sagt Martin Groß mit einem Augenwinkern.

In diesen Regionen können Sammler fündig werden:
Zuletzt war er in Parchen unterwegs – und fand keinen einzigen essbaren Pilz. Gut geeignet sei hingegen die nördliche Altmark mit dem Dreieck Seehausen, Salzwedel und Osterburg. „Es ist schon so, dass es dort klimatisch besser aussieht als im Harz“, sagt der studierte Lebensmittelchemiker. Die Region liegt im Regenschatten – das bedeutet, dass dort deutlich weniger Niederschlag als in anderen Gebieten fällt. Das sei zwar ungünstig, mit Altenbrak und Benneckenstein gebe es aber dennoch empfehlenswerte Orte im Harz. „Es gibt also noch Hoffnung für Pilzfreunde“, räumt Martin Groß ein. Aufgrund des Regens können Sammler doch noch verspätet in eine erfolgreiche Pilzsaison starten.

Wer fündig wird, sollte die Pilze dennoch nicht kiloweise aus dem Wald tragen: Geringe Mengen, die für den persönlichen Verzehr gedacht sind, seien hingegen in Ordnung. Für größere Mengen und einen Weiterverkauf ist eine Genehmigung erforderlich.Doch was, wenn man sich zum ersten Mal auf die Pilzsuche begibt? Ein Anfänger sollte gezielt losgehen und sich vorher genau ansehen, was er finden möchte. „Zum Schluss landet nämlich oft alles im Korb – und ob es essbar ist, weiß dann niemand“.

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Pilz-Apps eher ungeeignet zur Artenbestimmung:
Mittlerweile gebe es zwar auch Apps, mit denen Pilze voneinander unterschieden werden können. Davon rät der der LVPS aber eher ab. „Die Verwechslungsgefahr ist einfach zu groß.“ Gleiches gilt für eine Artenbestimmung per Foto oder die Internetsuche. Bei der Suche können sich Sammler zuerst auf Röhrenpilze konzentrieren, bei Blätterpilzen werde es schon schwieriger.

Wer die Pilzberatung bei Martin Groß nutzen möchte, sollte den vollständigen Pilz mitbringen und den Stiel nicht abschneiden. Daran erkenne man die Art oft am besten. Die Beratung wird gerne angenommen, denn ein falscher Pilz kann im Ernstfall nicht nur eine Mahlzeit ruinieren, sondern auch tödlich sein. Deshalb gilt: Lieber einmal häufiger nachfragen, als gesundheitliche Risiken einzugehen. Meist seien es immer dieselben Pilzarten, die in den Beratungen gefragt sind, wie Maronen und Steinpilze. Auch Pfifferlinge gehören zu den häufigsten Funden, obwohl es laut Groß „im Oktober fast schon zu spät dafür ist“. Bei seiner letzten Pilzberatung im Magdeburger Rathaus kam der LVPS auf 71 verschiedene Arten: „Es gab aber auch schon Fälle, da brauchten wir fünf Sachverständiger, um eine Art zu bestimmen“, so Martin Groß. Im besagten Fall handelte es sich um den Seidigen Egerlingsschirmling. Wer selbst als Pilzsachverständiger arbeiten möchte, sollte im Idealfall um die 300 Arten kennen. In der sachsen-anhaltischen Prüfungen würden jedoch auch 100 ausreichen. Alle Pilzberater arbeiten ehrenamtlich.

Satt gegessen hat sich Martin Groß übrigens auch nach 30 Jahren als Berater nicht: Erst neulich Abend gab es Spagetti Fungi. „Das hört nie auf“, so Groß. In wenigen Minuten wird es an der Haustür klingeln – der nächste Sammler will ihm seine Ausbeute zeigen.

Infos zu den verschiedenen Pilzarten gibt es auch unter www.pilzfinder.de.