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Sanierung Teure Zukunft der Baggerstadt Ferropolis

Nach der Arbeit im Tagebau Golpa-Nord, lockt Freizeitspaß in die Baggerstadt Ferropolis. Zum Erhalt des Stahls sind Millionen Euro nötig.

29.01.2019, 11:37

Gräfenhainichen (dpa) l "Ferropolis" bedeutet: die Stadt aus Eisen. Riesige Maschinen aus Stahl stehen auf einer Halbinsel bei Gräfenhainichen (Landkreis Wittenberg). Ringsherum glitzert das Wasser des Gremminer Sees in der seltenen Wintersonne. Es ist ein majestätischer Anblick: die fünf Tagebaubagger, hunderte Tonnen schwer und bis zu 30 Meter hoch, sind Zeitzeugen der ostdeutschen Industriegeschichte. Seit 1958 wurden im damaligen Tagebau Golpa-Nord in 33 Jahren rund 70 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und 341 Millionen Kubikmeter Erde bewegt. Nach der Stilllegung 1991 begann die Sanierung. Die Eröffnung im Juli 2000 stand im Zusammenhang mit der "Expo 2000".

Das Gelände ist Museum und Veranstaltungsort zugleich. Der jährliche Event-Kalender bietet Sport, Musikfestivals und Unterhaltung für die ganze Familie. "Im vergangenen Jahr kamen 172.000 Menschen auf das Gelände, davon 32.000 Tagesgäste und 140.000 Veranstaltungsbesucher", berichtet der Geschäftsführer der Ferropolis GmbH, Thies Schröder. 2017 seien es 31.000 Tagesgäste und 90.000 Besucher von Veranstaltungen gewesen. "In den letzten Jahren gab es ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis, plus minus null. Bei 8 Millionen Euro Umsatz haben wir 2018 ein kleines Plus von 9000 Euro erwirtschaftet."

Aber wo Eisen ist, da blüht Rost. "Die laufende Werterhaltung kostet 50.000 Euro im Jahr. Mit den Arbeiten sind zwei Leute beschäftigt", sagt Schröder. Außerdem gibt es regelmäßige Kontrollen, besonders weil einer der Bagger vom Publikum als Aussichtsplattform genutzt wird. "Die Wege müssen sicher sein und Kabel dürfen nicht herunterhängen." Demnächst komme ein zweiter Bagger, "Medusa" genannt, als Aussichtspunkt hinzu. "Konkret werden das Maschinenhaus und das Elektrik-Haus hergerichtet. Als Eröffnungstermin wird 2020, zum 20-jährigen Ferropolis-Jubiläum angepeilt, aber konkret steht es noch nicht fest", so Schröder.

"Die Bagger sind stabil und fallen nicht so schnell um. Langfristig muss in den nächsten Jahren eine Grundsanierung erfolgen", sagt Schröder. Das erfordert Geld und Unterstützung. "Pro Bagger wird es vier Millionen Euro, insgesamt 20 Millionen Euro, kosten", sagt der Geschäftsführer. Dazu gehört, dass die Ferropolis GmbH in eine gGmbH, das bedeutet gemeinnützige GmbH, umgewandelt wird. "Das ist eine Entscheidung des politischen Willens. Die Frage ist: Soll Ferropolis als Industriemuseum erhalten bleiben oder nicht?", betont Schröder. In den letzten Jahren hat sich ein Umdenken innerhalb des Landes und der Landesregierung, aber auch des Umlandes vollzogen. "Mittlerweile wird in dem industriellen Erbe ein Schatz gesehen, das war nicht immer so."

Auch der Bürgermeister von Gräfenhainichen, Enrico Schilling (CDU), fordert Unterstützung für das Freilichtmuseum. "Die Kulisse der Bagger auf der Halbinsel, inmitten des Gremminer Sees, so etwas ist selten." Ferropolis sei ein Imagefaktor, der die Region über die Grenzen Sachsen-Anhalts und Deutschlands hinaus bekannt mache." Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sei Ferropolis eine feste Größe und Stütze in der Region.

Laut Schröder bleiben durch die Veranstaltungen 1,4 Million Euro pro Jahr in der Region, das bedeutet mehr Umsatz bei Tankstellen, Hotels und Pensionen sowie Supermärkten. Für 2019 sind zehn Veranstaltungen geplant. "Splash! Festival" und "Melt Festival" sind feste Größen und wichtigste Gewinnbringer. Zudem gibt es das Musikfestival für Metal, Hardcore und Punk "Full Force" und "Iron Drift King – Drift Masters European", ein Autorennen der besonderen Art, mit qualmenden, durchdrehenden Reifen.

Ein Wunsch bleibt, mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2020: "Der Gremminer Sees als allgemeiner Badeort", sagt Schröder. Derzeit unterliegt die Wasserfläche dem Bergrecht, eine Freigabe wird seit Jahren geprüft.