Magdeburg l Das seit 2010 bestehende Programm zur Bahnhofssanierung in Sachsen-Anhalt wird bis 2022 verlängert. Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) und Bahn-Vorstand Bernd Koch unterzeichneten gestern in Wolmirstedt den Vertrag. 80 Projekte sind insgesamt vereinbart. Meistens geht es um neue Bahnsteige, Fahrstühle, Treppen, Dächer und Lampen. Die meisten Gelder fließen nach Stendal (18 Millionen Euro).

Der Ort der Vertragsunterzeichnung war mit Bedacht gewählt: Wolmirstedt. Denn die Kleinstadt nördlich von Magdeburg bekommt nicht nur moderne Bahnsteige, einen längeren Fußgängertunnel und einen weiteren Parkplatz – auch das Bahnhofsgebäude wird wieder schick. Das Bodelschwingh-Haus – eine soziale Einrichtung – errichtet hier Café und Fahrrad-Werkstatt. „Wer morgens sein Rad abgibt und mit dem Zug zur Arbeit fährt, bekommt am Abend sein Rad repariert und geputzt zurück“, sagt Swen Pazina. Bahn-Vorstand Koch freut sich: „Der Bahnhof ist das Eingangstor zum System Schiene - Reisende sollen sich hier gerne aufhalten.“ Minister Webel nickt.

Nur: So fein wie in Wolmirstedt geht es an vielen Bahnhöfen nicht zu. Da werden zwar die Bahnsteige poliert - die Bahnhofsgebäude aber bleiben vernagelt und verdreckt. Schuld daran hat vor allem die Bahn selber. Vor gut zehn Jahren war der Konzern auf Gewinn- und Börsenkurs und entschied, 1800 der 2400 Bahnhöfe abzustoßen. Die Häuser wurden zwar zuerst den Kommunen angeboten. Doch da die damals klamm waren, schlugen viele die Offerte aus. Immobilien-Unternehmen griffen zu. Die Gebäude waren günstig zu haben und gingen oft zwischen 30.000 und 80.000 Euro weg.

Jedoch: Investiert haben viele dieser „Investoren“ so gut wie nichts. Haupthinderniss: Die Bahn hat auch nach dem Verkauf ein Wegerecht fürs Gebäude. Das heißt: Was immer ein Privater auch bauen will, die Reisenden müssen durchs Haupthaus zu den Bahnsteigen gelangen können. Das durchkreuzt manchen Investorenplan. Mittlerweile sind erste Bürgermeister umgeschwenkt, wollen die Häuser doch kaufen und sanieren. Doch die Eigentümer versuchen aus der verzwickten Lage Profit zu schlagen - die Preise gehen durch die Decke.

Beispiel Haldensleben: Der Private kaufte den Bahnhof für 30.000 Euro. Stadt und Wohnungsgesellschaft blätterten 100.000 Euro hin.

Die Preise unterscheiden sich

Beispiel Zerbst: Kaufpreis nach Volksstimme-Information etwa 35.000 Euro. Nun steht das Haus für 180.000 Euro im Netz. In Gardelegen bietet derselbe Eigentümer den Bahnhof für 260.000 Euro an.

Beispiel Magdeburg Neustadt: Die Stadt bot etwa das Doppelte des ursprünglichen Kaufpreises - gut 160 .000 Euro. Doch der Investor lehnte ab.

Auch Bodelschwingh Wolmirstedt musste den Bahnhof ersteigern. Von der Main Asset Management - die 1000 einstige DB-Bahnhöfe betreut. Summe: 84.000 Euro. Die konnten die Wolmirstedter nur aufbringen, weil das Land den Kauf mit 80 Prozent gestützt hat.

Ein Gebäude, top saniert

Eine der wenigen Lichtblicke: Salzwedel. Der Tangermünder Investor Christian Schulz ersteigerte den Bahnhof für 50.000 Euro. Heute ist das Gebäude top saniert.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagt: „Die Bahn hätte wichtige Bahnhöfe nie verkaufen dürfen.“ Bahn-Vorstand Koch spricht von einer Zwangslage. Der Eigentümer Bund finanziere zwar Gleise und Anlagen, aber keine Bahnhofsgebäude. „Dafür bekommen wir keinen Cent Förderung.“ Gut 800 Bahnhöfe sind noch im Bahn-Eigentum. Weitere 300 sollen weg.