Magdeburg l Erst kamen die Stürme, dann die Dürre: Die Extreme des  Jahres 2018 haben dem Borkenkäfer in Sachsen-Anhalts Wäldern ideale Bedingungen beschert. Die Schadinsekten lieben geschwächte Bäume, in die sie Gänge bohren und Eier ablegen. Gleich drei Käfer-Generationen konnten sich 2018 entwickeln, sagt Roland Sterner vom Betreuungsforstamt Harz. Üblich sind ein oder zwei.

Das Problem: Noch immer stehen kranke oder befallene Bäume in den Wäldern. Sie aber sind ideale Brutstätten für die Käfer.

23,5 Millionen Euro Schäden

„Was auf uns zukommen könnte, gleicht einer Katastrophe“, sagt Roland Sterner für den Harz. Vor allem die anfällige Fichte könnte mancherorts ganz verschwinden. Auch landesweit rechnet das Umweltministerium mit einer „weiteren Verschärfung“ der Borkenkäfersituation. Zwar wurden 2,28 Millionen Kubikmeter Schadholz aus dem Jahr 2018 bereits aus den Wäldern geholt. 10 bis 15 Prozent potenzielle „Käferbäume“ aber liegen noch immer in den Beständen.

Dabei war bereits 2018 ein Katastrophenjahr für Sachsen-Anhalts Wälder. Laut Umweltministerium fielen durch Wetter, Waldbrände und Käfer damals 3,4 Millionen Kubikmeter Schadholz an. Nach Schätzungen des Dresdner Professors Andreas Bitter beliefen sich die Schäden 2017/18 auf mehr als 330 Millionen Euro – allein 23,5 Millionen Euro entfielen auf Borkenkäfer.

Für 2019 rechnen andere Bundesländer bereits mit dem Schlimmsten: In Sachsen droht laut Dresdner Umweltministerium die größte Käfer-Plage seit Ende des Zweiten Weltkriegs. In Baden-Württemberg kalkuliert die Landesregierung mit Käfer-Schäden von 100 Millionen Euro. Kühles und nasses Wetter könnte die Käfervermehrung aber noch bremsen.

Schadholz muss weg

Hauptmittel zur Vorbeugung ist die rasche Entfernung von Schadholz. Gerade für Besitzer kleiner Waldflächen gestaltet sich das allerdings oft schwierig. Durch die Holzschwemme der vergangenen Monate hätten sich die Preise etwa für Industrieholz mehr als halbiert, sagt Waldbesitzerverbands-Chef Franz zu Salm-Salm. Eine kostendeckende Beräumung werde damit oft unmöglich. Auch fehlt es an Lkw-Fahrern, die Schadholz aus den Wäldern schaffen könnten. Die Waldbesitzer fordern daher schon lange mehr Hilfen vom Land. Erleichterungen wie die Erhöhung des zulässigen Gewichts für Holz-Transporte reichen ihnen nicht.

Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) hat reagiert: Bis Jahresende 2019 soll dank Bundesmitteln eine Richtlinie in Kraft treten, mit der Waldbesitzer Hilfen für Kosten durch Waldschäden beantragen können. Dazu gehörten Transportbeihilfen, sagte Sprecherin Jenny Schwarz. Dort, wo noch Schadholz in den Wäldern liegt, empfiehlt die für Sachsen-Anhalt zuständige Nordwestdeutsche Forstwirtschaftliche Versuchsanstalt den Einsatz von Insektiziden, um die Käfer am Ausschwärmen zu hindern. Eile ist geboten: In diesen Tagen erwachen die Käfer aus der Winterruhe.

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