Magdeburg (dpa) l Seehausen in der Altmark hat als einzige Kommune Soforthilfen des Landes zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in Anspruch genommen. 184.950 Euro seien der Gemeinde Ende 2018 überwiesen worden, teilte das Magdeburger Finanzministerium auf Anfrage mit. Das seien 90 Prozent der gesamten Kosten gewesen, um die Nester der Schädlinge aus befallenen Bäumen abzusaugen. Um Hilfe zu bekommen, mussten die Kosten eine Bagatellgrenze von fünf Euro je Einwohner überschreiten. Weitere Gemeinden hätten keine Anträge für die Soforthilfen gestellt, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Das Geld stammt aus dem Ausgleichsstock des Landes, aus dem Kommunen bei außergewöhnlichen Belastungen unterstützt werden können. Die Landesregierung hatte die Soforthilfen im Juni 2018 beschlossen. Auslöser war ein Fall in Seehausen, wo ein Mädchen nach einer heftigen allergischen Reaktion zusammengebrochen war. Der Bürgermeister der Gemeinde, Rüdiger Kloth (CDU), hatte für Aufsehen gesorgt, weil er sich nach dem Vorfall wegen Körperverletzung im Amt selbst anzeigte.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling. Seine Raupen leben in Nestern an Eichenbäumen. Sie bilden giftige Härchen aus, die bei Berührung zu allergischen Reaktionen und Juckreiz führen können. Im vergangenen Jahr trat der Schädling wegen des heißen und trockenen Wetters sehr häufig auf. Die Altmark war besonders betroffen.

Keine Ermittlungen nach Selbstanzeige

Mit seiner Selbstanzeige habe er auf die Probleme vieler Kommunen bei der Bekämpfung der Schädlinge aufmerksam machen wollen, sagte Kloth. Die Staatsanwaltschaft habe aber keine Ermittlungen aufgenommen und das Verfahren eingestellt. "Sie haben mir gesagt, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe", sagte der Bürgermeister.

Nach Angaben von Kloth stehen auf dem Gebiet der Gemeinde Seehausen rund 10:000 Eichen – fast so viele, wie die Stadt Einwohner hat. Bei rund 1000 Bäumen seien im Sommer die Nester des Eichenprozessionsspinners abgesaugt worden, vor allem in der Nähe von Wohnhäusern und an Radwegen. In großen Bäumen seien mehr als 100 Nester beseitigt worden. "Die akute Gesundheitsgefahr ist gebannt", sagte Kloth.

Warum nicht mehr Kommunen die Soforthilfe des Landes genutzt haben? Der Städte- und Gemeindebund führt die geforderte Bagatellgrenze von fünf Euro je Einwohner als Hürde an. Man beobachte die Lage sehr genau und werde sich bei Bedarf für weitere Hilfen stark machen, sagte Geschäftsführer Jürgen Leindecker.

Zwei Millionen Euro gegen Schädling

Für 2019 hat das Land die Zuständigkeiten neu geregelt und stellt insgesamt zwei Millionen Euro für die Bekämpfung des Schädlings zur Verfügung. Das Geld soll nach Angaben des nun federführenden Gesundheitsministeriums eingesetzt werden für das Besprühen von Bäumen vom Boden oder von der Luft aus oder für das Absaugen von Nestern. Den betroffenen Landkreisen und kreisfreien Städten sei bereits rund eine Million Euro zugesagt worden. Die Bekämpfung gilt im Frühjahr nach dem Schlüpfen der Raupen als am effektivsten.

Die Unterstützung des Landes habe sich deutlich verbessert, sagte Kloth. "Endlich wird der Gesundheitsschutz in den Mittelpunkt gestellt." Noch fehle aber eine wirklich koordinierte Bekämpfung. Es nutze wenig, wenn die Kommunen Eichen entlang ihrer Straße behandelten, an nahe liegenden Landes- oder Bundesstraßen aber nicht. Kloth forderte zudem ein effektiveres Mittel zur Bekämpfung. Das jetzt eingesetzte Biozid habe einen Wirkungsgrad von nur 70 Prozent.