Magdeburg (dpa) l Nach dem Corona-Ausbruch in einem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen wollen die Grünen in Sachsen-Anhalt der Fleischindustrie deutlich strengere Vorgaben machen. Die Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann sprach sich am Donnerstag im Landtag für Tarifverträge, Betriebsräte und verstärkte Kontrollen aus. Außerdem forderte sie die Verbraucher auf, den Konsum billigen Fleisches zu überdenken.

Seit dem Ausbruch in Nordrhein-Westfalen stehen die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Arbeiter in der Fleischindustrie wieder verstärkt in der Kritik. Die häufig aus Osteuropa stammenden Arbeiter werden oft nicht direkt bei den Schlachthöfen, sondern von Subunternehmern über Werkverträge angestellt. Viele von ihnen wohnen zu überhöhten Preisen in überbelegten Wohnungen, an denen besagte Subunternehmen teilweise auch verdienen sollen. Die Bundesregierung will Werkverträge in der Branche vom kommendem Jahr an verbieten.

Werkverträge in der Theorie gut

Das System der Werkverträge sei in der Theorie nichts schlechtes, sagte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Die Fleischindustrie habe daraus aber ein "raffiniertes, teils menschenverachtendes Konstrukt" gemacht. Die Verbotsinitiative der Bundesregierung sei deshalb richtig.

Auch die CDU-Fraktion begrüßte das Verbot. Politiker der anderen Parteien kritisierten die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Arbeiter in der Fleischindustrie ebenso. Die Linke sprach von "sklavenähnlichen" Beschäftigungsverhältnissen, die AfD rief zu einer regionaleren Ernährung auf.