Gardelegen l Sie heißen Berta, Schörly, Lisa und Hannelore und sind Hühner, die derzeit die Bewohner der Seniorenpflegeeinrichtung „Johanniterhaus Rieseberg“ in Gardelegen Freude bereiten. Für drei Wochen sorgen sie bei den Bewohnern für Abwechslung und eine Menge Gesprächsstoff. Bei den Senioren haben die vier Hühner inklusive mobiler Hühnerstall ihr Zuhause, weil die Einrichtung die Tiere gemietet hat. Gemietet von Elias Spalik, einem Elftklässler, der das Gardeleger Gymnasium besucht, und mit diesem Angebot auf das Johanniterhaus zugekommen ist.

„Hühner fand ich eigentlich schon immer toll“, erzählt der 17-Jährige. Von kleinauf hilft er seinem Großvater, Paul Lembke, beim Füttern der Hühner, beim Eierausnehmen und beim Saubermachen des Stalls. Die Unterstützung seines Opas reicht ihm irgendwann aber nicht mehr aus. „Zu Ostern im vergangenen Jahr habe ich mir Küken gewünscht“, erzählt der Schwiesauer Schüler.

Wunsch nach Hühnern

Weil sein Wunsch so groß ist, wird ihm dieser auch erfüllt. „Und weil es noch so früh im Jahr war, gab es damals nur Zwerghühnerküken. Davon bekam ich acht.“ Elias Spalik hat die Küken selbst großgezogen. Und auch das genügte noch nicht. Schließlich besorgte er sich noch vier Hühner, die auf die schönen Namen Lisa, Berta, Hannelore und Schörly hören. Mit regelmäßigem Füttern ist die Pflege der Hühner für den Schüler aber nicht getan.

Er nimmt sich viel Zeit für seine gefiederten Freunde, nimmt sie auf den Arm, gibt ihnen Namen, macht sie handzahm. „Und dann dachte ich mir: Was kann man mit Hühnern eigentlich noch machen?“ Im Radio hört Elias Spalik kurz darauf davon, dass es Menschen gibt, die Hühner vermieten. „Mir war sofort klar, dass ich das auch mache.“ Und ein Name für diese Aktion war auch schnell gefunden: „Huhn to go“.

An Senioren und Kitas vermieten

Der Jugendliche möchte seine Hühner an Einrichtungen wie Seniorenheime oder Kindergärten vermieten, aber auch an Privatpersonen, die einen Testlauf in Sachen Hühnerhaltung unternehmen wollen.

Im Frühjahr dieses Jahres setzt er seinen Plan in die Tat um. Behördengänge stehen an. Überall ist er bald als „der mit den Hühnern“ bekannt, berichtet der Schüler. Eine Internetseite wird eingerichtet. Der Jugendliche baut einen mobilen Hühnerstall. Als dieser fertig ist, verwirft er ihn gleich wieder. „Er war zu groß. Es muss einer sein, der durch jede Tür passt, der auf einen Auto-Anhänger passt. Ich habe das Prinzip nach und nach verbessert“, erzählt der Schwiesauer mit Leidenschaft.

Englisches Unternehmen ist interessiert

Im Internet sucht der Gymnasiast nach Unterstützern und entdeckt ein britisches Unternehmen, das weltweit Hühnerställe und Zubehör vermarktet. Ihm schildert er sein Vorhaben. Das Unternehmen sendet ihm daraufhin eine Umzäunung und eine automatische Hühnerklappe zu.

Kostenlos darf der Altmärker diese Utensilien testen. „Ich habe auch gleich festgestellt, was nicht so gut läuft, wo es klemmt. Und habe die Firma schon entsprechend beraten“, berichtet er.

Hilfe bei Projekten

Und Elias Spalik nimmt Kontakt auf zu diversen Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen. „Die Tiere können zum Beispiel prima in Projektwochen integriert werden“, sagt er. Er selbst hat seine Hühner schon an einem Projekttag in seine Schule mitgenommen. Los geht das Hühnerangebot des Gymnasiasten übrigens bei knapp 80 Euro pro Woche. Dafür gibt es vier Hühner, Stall, Futter, Umzäunung und Endreinigung. Eier inklusive.

Und nun gibt es den ersten Kunden: Das Johanniterhaus Rieseberg hat das Angebot des Schwiesauers angenommen. „Die Hühner sind klasse. Die Bewohner sind begeistert“, berichtet Corinna Swolana, Ergotherapeutin im Johanniterhaus. „Viele Bewohner, die sonst nur schwer aus sich herauskommen, beginnen zu erzählen, erinnern sich an früher, als sie selbst noch Hühner hatten“, so die Therapeutin. Die Hühner auf dem Gelände der Einrichtung bringen auch viele Bewohner dazu, häufiger rauszugehen: Hühner füttern. „Bei uns ist jetzt Treffpunkt am Hühnerstall“, erzählt Swolana schmunzelnd.

Mehr Infos im Internet: www.huhn-to-go.com