Durch Spendenmittel bekommen Schüler in Kenia ein warmes Mittagessen

Schule in Riba platzt aus allen Nähten: Bis 50 Kinder in einer Klasse sind normal

Von Bernd Kaufholz

Riba ist ein kleines Dorf, 70 Kilometer nordöstlich von Wajir gelegen, unweit der somalischen Grenze. Dort haben sich in den vergangenen Monaten Hunderte von Hungerflüchtlingen niedergelassen. Eine riesige Herausforderung für die Gemeinde und ihre Schule.

Riba l In Kenia ist die Schule unentgeltlich. Die Lehrer werden vom Staat bezahlt. Doch die Grundschule in Riba an der somalischen Grenze ist damit völlig überfordert. Denn es sind inzwischen nicht mehr nur die 897 Kinder aus den umliegenden Orten, die dort lernen, sondern auch 234 Flüchtlingskinder.

40 bis 50 Schüler in einer Klasse sind in den dunklen Räumen der fünf Flachbauten heute Normalität. Die Hälfte der Kinder sitzt auf dem nackten Fußb-oden. Neben den wenigen Bänken und dem Lehrertisch ist eine Tafel das einzige Mobiliar.

Die Schulleitung hat vor wenigen Wochen zur Selbsthilfe gegriffen und junge Männer und Frauen mit einem 10.-Klasse-Abschluss angesprochen, ob sie vielleicht Lust haben, als "Hilfslehrer" zu arbeiten.

Mit einem Crashkurs werden diejenigen, die zusagen, fit gemacht. Doch das Problem ist die Aufwandsentschädigung. Denn die kenianische Regierung ist nicht in der Lage, die zusätzlichen Lehrkräfte für die Flüchtlingskinder zu bezahlen. Deshalb hat die Schule eine Gebühr in Höhe von 120 Keniaschilling für das Quartal erhoben. Das sind umgerechnet etwa 28 Cent pro Monat.

Mariam ist 14 Jahre alt. "Ich hatte gehört, dass die Schule frei ist", sagt das Flüchtlingskind in der blauen Schuluniform. Ihre Eltern waren nach den Massakern in Somalia über die Grenze gegangen. "Meine Eltern können das Schulgeld nicht bezahlen. Wir haben nichts. Unsere Kamele sind während der Dürre gestorben. Selbst unser Essen sind Spenden", sagt das Mädchen.

Mariam, die eine sehr gute Schülerin ist und einmal Ärztin werden möchte, hat nun Angst wie alle Flüchtlingskinder, dass sie vom Unterricht ausgeschlossen wird.

Doch scheint die Gefahr für die nächsten Monate gebannt zu sein. Die kenianische Regierung hat den Bedürftigen für ein Vierteljahr einen Kredit eingeräumt.

Gesundheits-Club und eine warme Mahlzeit

Die 14-Jährige gehört wie Mahad (12) und Robie Maow (15) zum "Gesundheits-Club" der Schule, der von UNICEF initiiert wurde. Zwei Mädchen, fünf Jungen und zwei Lehrer der Schule kümmern sich seit April 2011 um die Hy-giene.

Mahad: "Wir halten die Klassen sauber und die Toiletten, wir sammeln den Plastikmüll auf und achten auf die Umwelt und darauf, dass sich die Schüler nach der Toilette die Hände waschen."

Für den Jungen, der 30 Minuten zur Schule laufen muss, ist Schule auch gleichbedeutend mit einer warmen Mahlzeit. Denn die "Schulküche" - ein Raum mit offenem Feuer, auf dem täglich ein großer Eisentopf aufgesetzt wird - bietet jedem Schüler einen Teller mit warmem Essen an.

Der in viel Wasser gekochte Reis oder die Bohnen sind zumeist die einzige Mahlzeit für die Kinder. UNICEF bezahlt die Lebensmittel.