Magdeburg l Am Gymnasium „Pierre Trudeau“ in Barleben sehen sie aktuell wenig Anlass, sich über das Land zu beschweren: Seit gestern ist die Schule mit 660 Schülern an die superschnellen Glasfaserleitungen des Landesdatennetzes angeschlossen. Damit sind theoretisch Geschwindigkeiten von einem Gigabit je Sekunde im Download möglich. Schulleiter Michael Kleinen lobte das Land nach der Freischaltung: „Im Januar haben wir den Bedarf angemeldet, jetzt sind wir im Netz“, sagte er. Im Vergleich zu anderen Verfahren sei alles äußerst zügig gelaufen.

Das freie Gymnasium ist Teil eines landesweiten Großprojekts. Bis Ende 2021 will Sachsen-Anhalt für rund 210 Millionen Euro alle 950 Schulgebäude ans superschnelle Internet bringen. Die Hälfte davon (400 Schulen) soll noch in diesem Jahr online gehen. Bis gestern konnten laut Finanzministerium 30 Schulen im schnellen Netz surfen, in 20 weiteren Einrichtungen seien die Kabel verlegt.

Warten auf Baugenehmigung

Für gut 140 Standorte warte man auf die Baugenehmigung, so das Ressort von Minister Michael Richter (CDU). „In Zeiten von Corona zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine gute Internetverbindung ist“, sagte Richter bei der Freischaltung im Barleber Gymnasium. Von der Linken indes erntet er harsche Kritik: „Wer sich heutzutage dafür feiern lässt, dass er eine einzelne Schule ans Netz bringt, hat nichts zu bieten“, sagte Fraktionschef Thomas Lippmann mit Blick auf die geringe Anschlussquote von 3,1 Prozent über alle Schulen hinweg.

Es sei skandalös, wenn Bund und Land über den Digitalpakt Millionen für Notebooks und schulinterne Wlan-Netze bereitstellten, Schulen gleichzeitig aber weiter nicht über leistungsfähige Internetanschlüsse verfügten.

Geplant war 2020

Tatsächlich wollte das Land ursprünglich bereits Ende 2020 alle Schulen am Netz haben. „Das wird man auch bis Ende 2021 nicht schaffen“, ergänzte Lippmann. Sprecher des Finanzministeriums Wolfgang Borchert widersprach: „Wir sind nicht hinten dran, wir halten am Ziel fest“, betonte er. Ein ähnliches Projekt wie in Sachsen-Anhalt gebe es sonst nur noch in Bayern, kein anderes Land werde seine Schulen schneller am Gigabit-Netz haben.

Zustimmung kommt vom Städte- und Gemeindebund. Geschäftsführer Jürgen Leindecker sprach von einem „positiven Signal“. Verzögerungen durch die wirtschaftlichen Lage nach der Corona-Pandemie seien nachvollziehbar.

Lehrer nutzen Privat-PC

Die Bildungsgewerkschaft GEW veröffentlichte gestern unterdessen eine Studie zum Stand der Digitalisierung an Schulen. Demnach nutzen bundesweit 88 Prozent aller befragten Lehrer ihren Privat-PC für die Arbeit. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlte sich vom Arbeitgeber nur mangelhaft über den Digitalpakt informiert. „Keine Ärztin bringt ihr eigenes OP-Besteck mit in das Krankenhaus, aber bei Lehrern wird vorausgesetzt, dass sie ihre eigenen Geräte ohne Murren nutzen, kritisierte GEW-Landeschefin Eva Gerth. Seite 4