Halberstadt l Fahrplan mit Vertaktung, garantierten Anschlüssen und Umstiegsmöglichkeiten. Tickets, die kreisweit und anbieterübergreifend gelten. Kurzum: Ein öffentlicher Nahverkehr aus einem Guss für den gesamten Harzkreis. Das ist das Ziel des Busfahrplans, der zeitgleich mit dem Wechsel bei der Deutschen Bahn am kommenden Sonntag, 10. Dezember, in Kraft treten soll. Sollte, muss es nun heißen, denn Landrat Martin Skiebe hat jetzt eine Vollbremsung eingeleitet.

Mit diesem Schritt reagiert der CDU-Politiker auf die Kritik, mit der seit Anfang dieser Woche die Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) und das Landratsamt überschüttet werden. Nicht nur Privatleute machen ihrem Unmut über geplatzte Anschlüsse, längere Fahrzeiten und mitunter teurere Tickets Luft, sondern insbesondere Eltern und Schulleiter.

So Volker Heinold, Schulleiter im Schachdorf Ströbeck. Er moniert beispielsweise, dass Grundschüler aus einigen Orten nun nach Schulschluss 45 Minuten warten müssen, bis es nach Hause oder in den Hort geht. „Diese Frist ist bislang sehr viel kürzer. Wir können die Aufsicht über 45 Minuten personell nicht leisten, selbst wenn wir das moralisch wollen“, so der Pädagoge.

Fehlende Kommunikation

Er macht das Problem an der fehlenden Kommunikation mit HVB und Landratsamt fest. Obwohl dort seit Monaten am neuen Fahrplan getüftelt worden sei, habe er erst am Dienstag vom Ergebnis erfahren. „Und da bin ich aus allen Wolken gefallen, denn ich kann nicht einfach 40 Minuten Betreuung aus dem Hut zaubern.“

Zaubern ist vielleicht das Stichwort: Der Anspruch, den Landratsamt und Nahverkehrsanbieter mit dem nun auf 11. Februar 2018 verschobenen Fahrplanwechsel im Harz anpeilen, ist sehr hoch, wie HVB-Chef Bjoern Smith klarstellt. „Das ist, als würden sie auf der grünen Wiese neu bauen.“ Mit allen Fehlern, Mängeln und Nervereien, die ein solches Projekt mit sich bringt.

Ein Grundgedanke dabei: Waren die Buspläne bislang auf die Schulen und den Schülertransport zugeschnitten, stehen nun die Vertaktung untereinander und zu anderen Verkehrsträgern wie der Bahn im Fokus. Und das, obwohl der Schüleranteil am HVB-Busverkehr zwischen 40 und 50 Prozent liegt. Man wolle, heißt es allgemein, auch mehr Touristen in die Busse locken.

Gleichwohl bleibt die Kernfrage, warum die Schulen nicht rechtzeitig in die Planungen integriert worden sind, offen. „Das müssen wir jetzt prüfen“, so Landrat Skiebe. Er räumt ebenso wie Bjoern Smith ein, dass der Fahrplanentwurf nicht erst seit gestern vorliegt.

Schuld beim Landratsamt

Dass es durchaus auch anders geht, beweist die Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG), die in und rund um die Harzer Kreisstadt Straßenbahnen und Busse fahren lässt und auch Ströbeck bedient. Aufgrund der Fahrplannovelle bei „Goliath“ HVB sah sich auch „David“ HVG veranlasst, die Fahrpläne anzupassen. „Die HVG ist schon im Sommer auf uns zugekommen, hat uns ihre Pläne vorgestellt und wir haben da schon Probleme erkannt und letztlich in unserem Sinne abgestellt“, so der Ströbecker Grundschulleiter Heinold. „Das ist Sache des Planers“, weist HVB-Chef Smith diese Kritik zurück. Der Fahrplan sei von einem Ingenieurbüro aus Hamburg, letztlich sei das Landratsamt federführend.

Der dortige Chef, Landrat Skiebe, will den Ursachen für die offensichtliche Kommunikationspanne erst später auf den Grund gehen. Jetzt habe der direkte Austausch mit den Schulen Priorität. Bis Ende Januar soll geklärt werden, wo im Fahrplangerüst nachjustiert werden kann, um den Wünschen der Schulen Rechnung zu tragen.

Parallel dazu sind auch Schulen bereit, ihre Unterrichtszeiten dem neuen Fahrplan anzupassen. Dafür bedarf es zeitlichen Vorlauf. Deshalb peilt der Landrat den Fahrplan-Neustart nun für Februar und damit für die Winterferien an. „Wir müssen zuvor einiges an Arbeit leisten, die wir vorher hätten leisten müssen“, stellt der 58-Jährige klar.