Magdeburg l Drei große IT-Programme und weitere Initiativen sollen Sachsen-Anhalts Schulen im neuen Schuljahr auf ein bislang nicht da gewesenes Niveau beim digitalen Unterricht heben.

„In diesem Jahr muss es darum gehen, sicherzustellen, dass Präsenz- und Distanzunterricht Hand in Hand funktionieren“, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) gestern zum Schulstart in Magdeburg. Hintergrund sind auch die wochenlangen Schulschließungen infolge der Corona-Pandemie.

15,3 Millionen für Notebooks

Eine Antwort: Über ein Bundes-Sofortprogramm beschafft das Land derzeit Notebooks und Tablets für Schüler. Dafür stehen insgesamt 15,3 Millionen Euro bereit. „Die Beschaffung ist seit Mitte August auf dem Weg“, sagte Tullner. Er gehe davon aus, dass erste, vom Land zentral gekaufte, Geräte Mitte September zur Verfügung stehen. Viele Kommunen, darunter neun von elf Landkreisen haben sich allerdings entschieden, die Geräte selbst einzukaufen. Hier könnte es länger dauern.

Den größten Schub verspricht sich das Land zweitens vom Digitalpakt. Aus dem Bund-Länder-Programm stehen Sachsen-Anhalts Schulen 123 Millionen Euro zur Verfügung. Damit können Rechner, aber auch die Ertüchtigung von Servern und IT-Netzwerken bezahlt werden.

123 Millionen aus Digitalpakt

Anders als beim Sofortprogramm müssen die Schulen Anträge stellen und diese mit einem Konzept unterlegen. 45 Anträge von Schulträgern mit einem Volumen von 7 Millionen Euro seien bereits genehmigt, sagte Tullner: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Gleichzeitig rief er Schulträger, die bislang keine Anträge gestellt haben, auf, diese zügig einzureichen. Immerhin: Die Zahl der Anträge steigt seit Mitte Juni deutlich – von damals 45 auf inzwischen mehr als 140.

Aus dem Digitalpakt stammen auch 1,3 Millionen Euro, die das Land in Medien oder Software investiert hat. Dazu zählen Programme wie die Lern-App „Anton“. Sie bietet Schülern Übungen an, die sich an Lehrplänen von Fächern wie Deutsch oder Mathe orientieren.

Neu im neuen Schuljahr sind auch 17 Netzwerkschulen. Sie dienen als Zentren der regionalen Lehrerfortbildung in Sachen Digitalisierung.

Dritte Investitions-Säule ist schließlich der Anschluss aller 950 Schulgebäude ans Gigabit-Internet des Landes. Ende 2021 soll das Vorhaben eigentlich abgeschlossen sein. Im Juni lag die Zahl angeschlossener Schulen allerdings erst bei 30.

Der Gymnasiallehrerverband kritisierte die Investitionen trotz aller Programme als zu gering: „Die Bazooka, die der Bund etwa für die Rettung von Fluggesellschaften aufgelegt hat, hätte ich mir für die Schulen gewünscht“, sagte Verbandschef und Schulleiter Thomas Gaube. Nötig seien rasch Endgeräte sowie WLAN-Zugänge für jeden Schüler und jeden Lehrer, der Ausbau von Serverkapazitäten und landesweit einheitliche Lernplattformen.