Verbraucherschützer beanstanden Täuschungen und falsche Kennzeichnungen bei Lebensmitteln

Schwarze Schafe und Bubble-Tea-Verkäufer ohne Erfahrung

Von Elisa Sowieja
Analysen in einem Labor des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg. Foto: Ingo Wagner/Archiv
Analysen in einem Labor des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg. Foto: Ingo Wagner/Archiv dpa

Magdeburg/Halle l Da meint man, der Schokokuchen aus dem Supermarkt sei überzogen mit jeder Menge Schokolade - dabei ist das nur kakaohaltige Fettglasur. Solche Täuschungen hat das Landesamt für Verbraucherschutz auch im vergangenen Jahr mehrfach aufgedeckt. Von den 11.043 untersuchten Lebensmittelproben haben die Prüfer 245 für irreführend befunden (2 Prozent).

Vor allem Nahrungsergänzungsmittel fielen hier unangenehm auf. "Die einen sollen jung machen, die anderen schön - Hersteller legen oft Heilsversprechen ab, die nicht gehalten werden", erklärte Fachbereichsleiterin Hannelore Klingemann am Donnerstag in Halle. "Wo Geld verdient wird, gibt es schwarze Schafe."

Ausbruch der Noroviren war "beispielloser Fall"

Vorrangig untersucht wurden Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Milch und Getreideprodukte. Insgesamt beanstandeten die Prüfer jede zehnte Probe. Gesundheitsschädlich oder nicht für den Verzehr geeignet waren allerdings nur 75 der Lebensmittel - das sind 0,7 Prozent. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Bakterien in Schlagsahne oder Salmonellen im Gehackten.

In mehr als der Hälfte aller Beanstandungen geht es um falsche Kennzeichnungen (599). "Das Spektrum reicht von zu kleiner Schriftgröße auf Verpackungen, über ein fehlendes Mindesthaltbarkeitsdatum bis hin zu nicht angegebenen Farbstoffen", berichtet Klingemann. "Das Problem haben wir in jedem Jahr, auch andere Bundesländer stellen das fest." Vorsatz unterstellt sie den Herstellern aber in der Regel nicht.

"Vor allem kleine Firmen haben Probleme mit den relativ komplizierten Vorgaben", erklärt sie. Ein Beispiel: Läden, die Bubble Tea verkaufen - das süße Modegetränk, das im vergangenen Jahr besonders angesagt war. Kleine Bubble-Tea-Geschäfte schossen plötzlich wie Pilze aus dem Boden. Da gab es einige, die aus fehlender Erfahrung nicht alle Zusatzstoffe auf den Angebotstafeln vermerkt haben.

Wie Verstöße geahndet werden, entscheidet der jeweilige Landkreis. Möglich sind Verwarnungen, Ordnungs- und Bußgelder. 166 Mal landete der Fall 2012 bei der Staatsanwaltschaft.

Überrascht hat die Prüfer in diesem Jahr keiner der Verstöße, sagt Klingemann. Jenseits der Routinekontrollen hatten sie 2012 jedoch mit einem "beispiellosen Fall" zu tun: dem Ausbruch von Noroviren, die Brechdurchfall verursachen. Mehr als 11000 Menschen waren betroffen, rund 40 davon in Sachsen-Anhalt. Auslöser waren tiefgefrorene Erdbeeren - wie bei der Analyse von Proben herauskam. Auch das Landesamt für Verbraucherschutz war daran beteiligt. Es untersuchte 64 Proben aus Sachsen-Anhalt und Sachsen, zwei davon enthielten den Virus. Meinung

Welche Lebensmittel gesundheitlich bedenklich sind, ist auf der bundesweiten Portal www.lebensmittelwarnung.de zusammengestellt.