Seehausen l Nach acht quälend langen Jahren des Streits um Lurche, Fledermäuse, Bachläufe und Ackerflächen wurde die Planung des Autobahn-Abschnitts bei Stendal gestern beendet. Die Behörde legte den sogenannten Planfeststellungsbeschluss für die 13 Kilometer lange Strecke vor. 800 Seiten Text und Zeichnungen liegen im September in Stendal, Tangerhütte und Bismark öffentlich aus. Klagt innerhalb von vier Wochen niemand, ist der Bau genehmigt. Für den sich anschließenden Abschnitt bis Osterburg liegt diese Genehmigung bereits vor. „Geht alles glatt, könnten wir mit einem Schlag mehr als 31 Autobahnkilometer bauen“, sagte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). Das wäre die längste A-14-Baustelle Sachsen-Anhalts.

Nach der endgültigen Einigung mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor einer Woche sei das ein weiteres wichtiges Signal vor allem für die Bürger der Altmark, so der Minister.Allerdings dauert es meist ein gutes Jahr, ehe Straßenbaufirmen anrücken. Zunächst kommen Archäologen sowie Leitungs- und Brückenbauer an die Reihe. Der Verkehr dürfte frühestens 2024 zwischen Lüderitz, Stendal und Osterburg rollen. Die Planer erwarten 27. 000 bis 30.000 Fahrzeuge täglich. Knapp 300 Millionen Euro stehen auf dem Kostenzettel – vorerst. Zu den Großbauten zählen drei Bahnbrücken; eine davon führt über die ICE-Strecke Berlin – Stendal – Hannover. Errichtet werden auch einige bis zu 50 Meter lange Tierübergänge.

Autobahn kommt Seehausen zugute

Das Klage-Risiko für die Piste von Lüderitz bis Osterburg wurde minimiert. Anfang des Monats hatte Webel mit dem Umweltverband BUND einen Kompromiss vereinbart. Das Land investiert 8,6 Millionen Euro in zusätzliche Lärmschutzwände und Naturschutzflächen – dafür zieht der Verband nicht vors Gericht. Eine gewisse Klagegefahr kann noch von Landwirten ausgehen, da sie Äcker für Naturschutz-Ausgleichsareale hergeben sollen.

Zeichen der Entspannung gibt es auch für den 9 Kilometer langen Abschnitt von Seehausen bis zur Elbebrücke an der Landesgrenze zu Brandenburg – dem nördlichsten Stück von Sachsen-Anhalts Autobahn. Die Verbandsgemeinde Seehausen beschloss am Dienstag Abend mit großer Mehrheit, ihre Klage gegen den Bau zurückzuziehen. Die Kommune wollte mehr Radwege und besseren Lärmschutz. Zunächst lehnten das die Landesplaner ab. Seehausen beschloss daher im Mai den Gang vors Gericht. Nun schwenkte Webels Ministerium um. Die Landeskasse zahlt für 300 Meter mehr Lärmschutzwand, für neue Radwege bei Seehausen und Aulosen sowie den Ausbau einer wichtigen Autobahn-Zubringerstraße. Gesamtkosten: etwa 7 Millionen Euro. Verbandsgemeinde-Bürgermeister Rüdiger Kloth (CDU) ist zufrieden. „Das ist eine gute Lösung“, sagte er. „Es ging uns nie um das Ob, sondern um das Wie.“

Ganz durch ist die Sache aber noch nicht. Der zweite Kläger, die Stadt Seehausen, muss noch über das Kompromissangebot Webels beraten. Das soll im Oktober erfolgen. Kommunalpolitiker in Seehausen erwarten, dass der Stadtrat mehrheitlich den Weg für die Baugenehmigung frei macht. Einstimmig dürfte dies allerdings nicht ausfallen: Susanne Bohlander von den Grünen etwa lehnt die A 14 ab. Sie, die auch BUND-Kreisvorsitzende ist, zeigte sich vom Landesverband und dessen Kompromiss mit Webel enttäuscht.

Freie Fahrt ab 2025

Ganz durch ist die Sache aber noch nicht. Der zweite Kläger, die Stadt Seehausen, muss noch über das Kompromissangebot Webels beraten. Das soll im Oktober erfolgen. Kommunalpolitiker in Seehausen erwarten, dass der Stadtrat mehrheitlich den Weg für die Baugenehmigung frei macht. Einstimmig dürfte dies allerdings nicht ausfallen: Susanne Bohlander von den Grünen etwa lehnt die A 14 ab. Sie, die auch BUND-Kreisvorsitzende ist, zeigte sich vom Landesverband und dessen Kompromiss mit Webel enttäuscht.