Berlin l Für einen Torhüter gibt es im Handball nur gute oder schlechte Tage. Buhmann oder Held. Paraden oder Aussetzer. „Und genauso ist es auch als Gründer, es gibt entweder richtig gute Momente oder richtig große Hürden“, sagt Bastian Krautwald. Früher war er als Leistungssportler unter anderem in Staßfurt und Calbe aktiv, ab 2015 verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt dann nach Berlin. Fünf Jahre später darf sich Krautwald als erfolgreicher Gründer bezeichnen. Mit „deineStudienfinanzierung“ hat der 24-Jährige zusammen mit seinen Mitgründern eine digitale Finanzplattform für die Akademiker von morgen erschaffen. Das Ziel: „Wir wollen allen Studierenden ein finanziell sorgenfreies Studium ermöglichen“, sagt Krautwald.

Das Prinzip: Statt händisch Anträge auszufüllen, müssen Studierende nur ihre Daten eingeben, verschiedene Fragen beantworten und anschließend wird ermittelt, ob Anspruch auf unterschiedliche Finanzierungsprodukte besteht. Das mühselige Ausfüllen von Bafög-Anträgen und Stipendien-Formularen übernimmt die Plattform. Der Gang zum Bafög-Amt? Nicht notwendig.

Ursprünglich bot das Start-up mit dem Bafög-Antrag, dem Kfw-Studienkredit und dem Bildungsfonds Brain Capital drei Finanzierungsformen an, mittlerweile wurde das Angebot auf 26 Anbieter erweitert. Und der Bedarf ist groß. Vor allem seit Beginn der Pandemie. „Viele Werkstudentenjobs sind weggefallen, mal schnell jobben gehen, um das Studium zu finanzieren, ging nicht. Das Problem hat sich also noch einmal verschärft, wofür wir die passenden Angebote haben“, sagt Krautwald.

Viel Aufmerksamkeit durch TV-Auftritt

Ebenso wie der Auftritt der drei Gründer in der bekannten TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Tech-Investor Frank Thelen war überzeugt vom Produkt und wollte eine halbe Million Euro in das Start-up investieren. „Dazu ist es dann aber nicht gekommen, weil wir am Ende doch andere Vorstellungen hatten. Der gemeinsame Umgang war aber hervorragend“, so Krautwald. Aufmerksamkeit brachte der Auftritt aber allemal. Ebenso wie Krautwalds Nominierung zu Beginn des Jahres als „Newcomer des Jahres“ beim Deutschen Start-up-Award. Eine Entwicklung, die Krautwald, so glaubt er zumindest, nicht zuletzt seiner Laufbahn als Leistungssportler zu verdanken hat. „Als Sportler ist man sehr wettkampfgetrieben und das ist auch als Gründer so. Nur ist man als Gründer nicht im Wettkampf mit anderen, sondern meistens mit sich selbst.“

Als er 2015 nach Berlin kam, begann der Staßfurter zunächst ein Duales BWL-Studium. Bei der Arbeit in der Bank fragte er sich immer öfter, ob das Kundengespräch vor Ort in der Filiale überhaupt noch zeitgemäß sei. Also entwickelte der ehemalige Handballer zunächst einen digitalen Bankberater und stellte alle möglichen Informationen zu Versicherungen online zum Abruf bereit. So lernte er auch Mitgründer David Meyer kennen, mit dem er zusammen ins Start-up-Accelerator Programm von Axel Springer kam. „Da war dann klar, dass es kein Hobby mehr ist, sondern weitaus verbindlicher.“

Ausgestattet mit 25 000 Euro Startkapital und erfahrenen Beratern entwickelten die beiden ihr Produkt weiter und veränderten dabei die Perspektive. „Ich bin mit einer Produktidee gestartet, aber das war falsch. Ich brauchte eine Idee vom Kunden, der für sein Problem eine Lösung benötigt“, erzählt Krautwald. Und so befragten die Gründer 150 Studierende und bekamen immer wieder die gleiche Antwort: „Im Kern haben alle gesagt, dass sie Geld benötigen, um studieren zu können.“ Die ersten 40 Anträge füllten die Gründer per Hand aus und merkten dabei, wie lang die Bearbeitung benötigt und welche Hürden Studierende bei der Finanzierung ihres Studiums überwinden müssen. Die Idee für „deineStudienfinanzierung“ war geboren.

Wachstum von 500 Prozent im ersten Halbjahr

Mittlerweile nutzen Zehntausende Studierende bundesweit die Plattform, allein im ersten Halbjahr 2020 hat das Start-up ein Wachstum von 500 Prozent erzielt. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass finleap, Europas führendes Fintech-Ökosystem, in „deineStudienfinanzierung“ investiert. Damit stehen Krautwald und seinem Team ein ganz neues Netzwerk an potenziellen Investoren und Beratern zur Verfügung.

Das Ziel: „Wir wollen so viele Angebote im Portfolio haben, dass wir jedem Studenten eine finanzielle Lösung bieten können“, sagt Krautwald. „In vielleicht fünf Jahren wollen wir auch eine Finanzplattform für junge Akademiker sein.“