Magdeburg l Wenn Renate Bahr (69) mit ihrem Mann Klaus (76) abends am Fernseher im Wohnzimmer ihres Magdeburger Einfamilienhauses sitzt und vor der Tür schaltet sich durch den Bewegungsmelder automatisch das Licht ein, überkommt beide ein mulmiges Gefühl. Renate Bahr: „Da sehen wir seit dem Einbruch lieber öfter mal nach, ob sich da einer herumtreibt.“

Es war am 17. März dieses Jahres, als das Paar von einer Reise an jenem Sonntag nach Hause in den Stadtteil Neustädter Feld zurückkehrte und die Verwüstung in seinem Haus entdeckte. Unbekannte hatten an der Rückfront von der Gartenseite aus die Fensterscheibe eingeschlagen und mehrere Räume durchwühlt. „Die haben fast alle Schränke durchsucht und sogar die Matratzen angehoben“, sagt sie. Wie die Polizei später vermutet, hatten die Täter offensichtlich nach Schmuck und Bargeld gesucht. Die technischen Geräte ließen sie unangetastet. Entwendet wurden am Ende nur eine Flasche Bier, ein kleines Goldkettchen und die Uhr ihres Mannes. Der Schaden am eingeschlagenen Fenster war höher als die Beute.

Hälfte der Einbrüche in Häuser

So wie Familie Bahr erging es im vergangenen Jahr mehr als 2800 Betroffenen in Sachsen-Anhalt. Nach einer Statistik des Landeskriminalamtes gab es im vergangenen Jahr die meisten Wohnungseinbrüche in Halle mit 484 Fällen, Magdeburg folgt mit 459. Im Jahr zuvor hatte das Ranking noch die Landeshauptstadt angeführt. Die wenigsten dieser Straftaten registrierte die Polizei in Dessau-Roßlau und im Altmarkkreis Salzwedel. Etwa jeder zweite der Wohnungseinbrüche war in einem Einfamilienhaus. Ihre Zahl stieg seit 2013 von etwa tausend auf inzwischen 1337 Fälle. Dabei zeigt sich ein anderes Bild: Hier führen Magdeburg und der Bördekreis die Spitze an.

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„Fast jeder zweite Wohnungseinbruch bleibt aber inzwischen im Versuch stecken“, sagt Andreas von Koß vom Landeskriminalamt. In diesem Bereich habe es einen Zuwachs von 80 Fällen gegeben. „Einerseits, weil sich die Täter entdeckt oder gestört fühlten, andererseits, weil immer mehr Menschen sich durch mechanische und elektronische Sicherheitsmaßnahmen schützen“, so von Koß. Im vergangenen Jahr konnte mit 21,2 Prozent nur wenig mehr als jeder fünfte Einbruch aufgeklärt werden. Das ist aber noch immer höher als der Bundesdurchschnitt, der auf 18,2 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen ist. Laut von Koß sind von den gefassten Tatverdächtigen die meisten Einheimische. Er sagt auch: „Wir vermuten aber auch weiterhin überregional agierende Banden, die organisiert handeln und aus Osteuropa stammen. Dass nur das Saarland (Anstieg um 23,4 Prozent) und Sachsen-Anhalt (Anstieg um 3,9 Prozent) noch steigende Einbruchszahlen im vergangenen Jahr hatten, erklärt sich der Landes­chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Uwe Bachmann, so: „Wo es wenig Polizeipräsenz gibt, da haben natürlich Ganoven freie Bahn.“ Außerdem sei Sachsen-Anhalt ein typisches Transitland. „Da machen sich auch die Autobahnen bemerkbar“, so Bachmann.

Verweis auf Sicherheitsaktionen

Sein Kollege Peter Meißner vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sagt: „Solche Kriminalität kann man gut verdrängen. Bundesländer, die wenig Polizeipräsenz in der Fläche zeigen, sind da natürlich im Nachteil.“ Die erhöhte Zahl der Einbrüche, die im Versuch stecken bleiben, würden hingegen für eine bessere Sicherungstechnik sprechen. Das Innenministerium verweist auf Sicherheitsaktionen wie die Beratungen durch die Regionalbereichsbeamten, das LKA und Banner-Kampagnen. Außerdem gebe es auch verstärkt länderübergreifende Sicherheitskooperationen und gemeinsame Fahndungen.