Loburg (dpa) l Auch in diesem Jahr waren ehrenamtliche Storchenfreunde überall im Land unterwegs, zählten und meldeten ihre Beobachtungen an den Storchenhof in Loburg: 566 Storchenpaare addierte Mechthild Kaatz dort in ihrer Statistik und 978 Jungvögel. Damit brüteten 2017 zwar weniger Vögel zwischen Arendsee und Zeitz, zogen aber mehr Junge auf. Im vergangenen Jahr zogen 575 Storchenpaare 963 Jungvögel groß.

Störche blieben in Afrika

Das Jahr war für die Störche nicht ideal. "Wir hatten ein zeitiges Frühjahr, in dem die ersten Störche bereits sehr früh ankamen", resümiert Geschäftsführer Michael Kaatz. "Dann aber war Schluss. Etliche Störche blieben in Afrika, wo wegen der Trockenheit wenig Futter verfügbar war. Sie haben es gar nicht bis zu uns geschafft." Da in Ostdeutschland traditionell viele Ostzieher brüten, die in Afrika überwintern, war dieser Trend überall in den neuen Bundesländern zu beobachten.

Ganz anders war die Situation in Westdeutschland. Dort nisten Michael Kaatz zufolge vor allem Westzieher, also Störche, die im Winter nur bis Spanien fliegen. Sie trafen im Frühjahr zahlreich wieder ein und hatten auch das ganze Jahr über gute Witterungsbedingungen. Den Störchen im Osten sowie in Schleswig-Holstein dagegen machte der verregnete Sommer arg zu schaffen. Etliche Jungvögel dürften wegen der Nässe erfroren sein.

Der Ländervergleich spielt beim Storchentag an diesem Wochenende traditionell eine Rolle, wenn Storchenfreunde sowie haupt- und ehrenamtliche Tierschützer aus dem gesamten Bundesgebiet sich austauschen. Themen des nunmehr 26. Storchentages sind unter anderem die Gefahren auf den osteuropäischen Zugwegen, das Siedeln auf Hochspannungsmasten oder die Nutzung von Datenloggern.

Störche werden digital verfolgt

"Wir haben in den zurückliegenden Jahren mehrere hundert Störche mit Datenloggern ausgestattet", erklärt Michael Kaatz. "Davon haben wir derzeit noch 40 aktive Logger, deren Reise wir verfolgen können. Etliche Vögel sind mit einer Simkarte ausgestattet, die wir erst nach ihrer Rückkehr auslesen können."

Unter den Störchen, deren Aufenthaltsort unbekannt ist, ist auch der Lutherstorch. Er wurde in der Nähe von Wittenberg angeschossen und kam so zu seinem Namen. Nachdem er im Storchenhof aufgepäppelt und behandelt worden war, konnte Luther in die Freiheit entlassen werden. Inzwischen ist er in seinem Winterquartier.

Winterquartier im Tschad

Anders sieht es bei Rolando aus. Er sendet fleißig Daten nach Loburg, die man auf der Internetseite des Storchenhofs verfolgen kann. Rolando ist in seinem Winterquartier im Tschad angekommen und zieht dort munter umher. Er ist einer von insgesamt etwa 30 Störchen, die vom Storchenhof Loburg in diesem Jahr in die Freiheit entlassen werden konnten.

Bei anderen Tieren blieb das Signal entweder aus oder kam immer wieder vom selben Ort. Nachforschungen ergaben, dass zwei besenderte Störche einer Hungersnot in Tansania zum Opfer gefallen sind. Sie wurden vergiftet und von Menschen gegessen.